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Der Fuchs und der Storch (Jean de la Fontaine)

Der Fuchs und der Storch

Gevatter Fuchs, der Knauser, scheute nicht

Die Kosten, Nachbar Storch ein Gastmahl zu spendieren.

Das Mahl war karg: als einziges Gericht

Ließ klare Brühe unser Schelm servieren

Und diese gar in einem flachen Teller.

Der Storch mit seinem langen Schnabel sticht

Umsonst hinein, doch schleckte um so schneller

Der Fuchs mit breitem Maul das Ganze auf.

Um sich zu revanchieren,

Bat kurze Zeit darauf

Der Storch den Fuchs, bei ihm nun zu soupieren.

Der sprach: „Ich komme gern,

Zu speisen bei so liebem Herrn."

Er eilte zur gegebnen Zeit

Zur Storchenwohnung, pries die Liebenswürdigkeit

Des Freundes, labte sich entzückt

Am Duft des Fleisches, das zerstückt

Und fein gekocht - so ganz, wie er's am liebsten mag,

Zunächst noch abseits lag.

Er war mit gutem Appetit beglückt,

Der Füchsen selten fehlen soll.

Doch ach, wie war das jammervoll:

Man trug das Mahl in einer engen Flasche auf!

Die Mündung war nicht weiter als ein Büchsenlauf.

Der Storchenschnabel tauchte leicht hinein ins Glas,

Des Gastes Schnauze aber brauchte andres Maß.

Mit leerem Magen zog der Herr nach Haus,

Mit eingekniffnem Schwanz und schlappen Ohren;

Er sah beschämter als ein Füchslein aus,

Dem keck ein Huhn den Pelz geschoren.

Merkt's euch, Betrüger all auf Erden:

Auch ihr sollt so betrogen werden!

Jean de la Fontaine (1621-1695)

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