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Spinnen und Weben im 19. Jahrhundert

Spinnen und Weben im 19. Jahrhundert in Vorpommern

Spinnen und Weben - Vom Flachs zur Leinwand

1 Flachwebstuhl, 19. Jahrhundert Mönchgut

2 Schertrog und Lesbrett, 19. Jahrhundert Mönchgut

3 Langes Spinnrad, um 1900

4 Spulknecht, 19. Jahrhundert

5 Riffelkamm, um 1900

6 Garnhaspel, 19. Jahrhundert Darß

7 Garnwinde, 19. Jahrhundert

8 Schwingbock mit Flachsschwinge, 19. Jahrhundert

9 Flachsbreche (Brake), 19. Jahrhundert

10 Hechelbock mit Flachshecheln, 19. Jahrhundert

Abb

Die Bauern und Fischer auf Mönchgut, aber auch in anderen Teilen Vorpommerns, stellten bis Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Trachtenkleidung und Haustextilien selbst her. Dazu bauten sie Flachs an und hielten Schafe zur Wollgewinnung. 1817 besaß fest jeder Mönchsguter Haushalt einen Wehstuhl.

Bis zum Aufkommen der billigen Anilinfarben in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts färbte man die Stoffe mit Naturfarben ein, die z.B. aus Schafgarbe, Erle, Birke, Nessel u. a. Pflanzen gewonnen wurden.

Die Bauern und Fischer auf Mönchgut, aber auch in anderen Teilen Vorpommerns, stellten bis Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Trachtenkleidung und Haustextilien selbst her.

Dazu bauten sie Flachs an und hielten Schafe zur Wollgewinnung. 1817 besaß fest jeder Mönchsguter Haushalt einen Webstuhl.

Bis zum Aufkommen der billigen Anilinfarben in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts färbte man die Stoffe mit Naturfarben ein, die z.B. aus Schafgarbe, Erle, Birke, Nessel u. a. Pflanzen gewonnen wurden.

Der im Freien getrocknete, anschließend geriffelte (Abstreifen der ölhaltigen Samenknoten ) und im Backofen getrocknete Flachs wurde auf der Brake gebrochen, um den inneren holzigen Kern des Stängels zu zerkleinern.

Danach wurde er auf dem Schwingbock mit der Flachsschwinge glatt und weich geschlagen.

Den abgeschwungenen Flachs zog man durch die Hechel, wobei die grobe Hede völlig ausgekämmt wurde.

Nach dem Bürsten und Waschen konnte das Spinnen beginnen.

Aus dem feinen Flachs stellte man Tischtücher her, aus dem groberen entstand Leinen für den Hausbedarf, aus der ausgekämmten Hede grobes Sackleinen.

Zum Spinnen musste zuerst der Rocken gedreht werden, um den nötigen Flachs auf das Spinnrad zu bringen.

Zum Anleuchten und Festigen des gezupften Fadens diente ein unter dem Rock angebrachtes Näpfchen mit dicker Milch.

Der gesponnene Faden wurde von der Spule des Spinnrades aufgehaspelt und in die Form einer Docke gebracht.

Die gesponnenen Teile kamen auf die Garnwinde, um das Garn mit dem Spulrad aufzuspulen.

Die Menge Garn, die für den Aufzug am Webstuhl benötigt wurde, brachte man auf große Spulen, die für den Einschlag auf kleine Spulen.

Beim anschließenden Scheren war es notwendig, die für die beabsichtigte Stoffbreite notwendige Anzahl von Fadenspulen auf einer Scherbank bzw. in einen Schwertrog aufzureihen und mittels des Lesbrettes die Fäden in Kreuzlage zu bringen.

Nach dem gleichmäßigen Spannen auf dem Scherrahmen musste das Garn so geordnet werden, dass es auf den Webstuhl gebracht werden konnte, wozu meistens mehrere Personen nötig waren.

Beim Weben bildete der Aufzug (Kette) die Länge, der Einschlag (Schuss) die Breite.

Die Webmuster wurden vorher zusammengestellt. Je komplizierter die Bindung war, um so stärker erschien die Musterung des Gewebes.

Für Bettzeug nahm man z.B, als Aufzug und Einschlag das gleiche Leinengarn, während für die farbigen Trachtenstolle oft Leinen oder Baumwolle als Aufzug und Wolle als Einschlag verwendet wurde.

War alles Garn vom Garnbaum abgewebt, schnitt man das Gewebe vor der Kammlade durch und nahm das fertige Stück Leinwand vom Webstuhl ab.

Quelle:
Foto / Grafik: Copyright © 2007 Medienwerkstatt Mühlacker (MF)
Aufgenommen im: Kulturhistorischen Museum der Hansestadt Stralsund (bearbeitet)
Der Text entstammt einer Schautafel im Kulturhistorischen Museum der Hansestadt Stralsund

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