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Lebensraum Streuobstwiese - Apfelbaumwiese

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Früher gab es in fast jeder dörflichen Landschaft naturbelassene Wiesen mit vielen verschiedenen Obstbäumen - die sogenannten Streuobstwiesen oder eben Apfelbaumwiesen.

Heute sind diese Wiesen mit den hochstämmigen, knorrigen Bäumen selten geworden, und man findet sie fast nur noch im Umland von alten Bauernhöfen, die sich seit vielen Generationen im Besitz einer Familie befinden.

Eine Vielzahl der alten Streuobstwiesen musste der Flurbereinigung und Neubebauung weichen.

Auch wurden viele der hochkronigen und hochstämmigen Apfelbäume abgeholzt, da sie weniger ertragreich sind, die Früchte dieser Bäume die EG-Normen nicht erfüllten, und die Ernte zu arbeitsintensiv war.

So wurden viele der Obstwiesen mit guten Böden in Ackerland umgewandelt und bundesweit seit dem 2. Weltkrieg etwa zwei Drittel aller Obstbäume abgeholzt.

 

Vor allem in der 70er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte verstärkt eine moderne Form des erwerbsmäßigen Obstanbaus ein, während die Obstbäume zuvor vor allem angebaut wurden, um den Eigenbedarf zu decken.

In Apfelplantagen werden seither nur noch wenige veredelte Apfelsorten angepflanzt.

Diese niederstämmigen Apfelbäume bringen größere Erträge und können maschinell abgeerntet werden.

Durch den Einsatz von Pestiziden konnten diese Erträge noch weiter gesteigert werden.

Aber diese modernen Bewirtschaftungsmethoden haben vielen Pflanzen- und Tierarten den Lebensraum zerstört, und hatten einen Niedergang der biologischen Artenvielfalt zur Folge.

Auf den wenigen Streuobstwiesen jedoch, die es noch gibt, blieb der Lebensraum für die Pflanzen und Tiere jahrhundertelang intakt, da sie von Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie von Überdüngung weitgehend verschont blieben.

Hier bietet schon ein einziger Apfelbaum mehr als 3000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten Nahrung und Lebensraum.

Insekten, Vögel, Spinnen, Mäuse, Wiesel, Marder, Hasen, Kaninchen, Igel, Dachse, Füchse und sogar Rehe und Hirsche finden hier Nahrung, denn nicht geerntete Früchte dienen dem Wild als Futterquelle.

Die alten Bäume mit ihren vielen Baumhöhlen bieten oft das letzte Rückzugsgebiet für stark gefährdete Vogelarten.

Auch für viele Säugetiere, Insekten und Reptilien sind die Obstwiesen wertvolle Biotope.

Die Vielzahl der unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften, die je nach Klima, Lage und Bodenbeschaffenheit wachsen, sind mit ihren vielen Gräsern, Pflanzen und Wildblumen für zahlreiche Tiere sowohl Unterschlupf als auch Nahrungsquelle.

Durch das ökologische Gleichgewicht in einer Streuobstwiese mit der Vielzahl der verschiedenen Tiere kann hier auf eine Schädlingsbekämpfung verzichtet werden.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Aufgabe zum Erhalt alter Obstsorten.

Während um die Jahrhundertwende noch an die tausend Apfelsorten bekannt waren, beschränkt sich das Marktangebot heute nur auf einige wenige ausgewählte Sorten.

Streuobstwiesen dienten - zumindest früher - auch nicht nur der Ernte von Früchten wie Äpfel oder Birnen, sondern gleichzeitig auch der Gewinnung von Heu oder als Weide für z.B. Schafe und Ziegen.

Die Streuobstwiese waren immer eine Kombination aus Obsterzeugung und Grünlandbewirtschaftung - also gleichzeitig auch Mähwiese oder Viehweide.

Inzwischen werden jedoch viele der vorhandenen Streuobstwiesen nicht mehr genutzt und gepflegt.

Vielfach ist die Bewirtschaftung wegen der Lage nicht einfach und die Pflege des Baumbestandes aufwändig und wenig ertragreich.

Viele der noch vorhandenen Streuobstwiesen können nur durch umfassende Pflegemaßnahmen gerettet oder erhalten werden.

 

Naturschutzverbände fordern bereits seit Anfang der 1980er Jahre, die Streuobstwiesen als wertvolles Kulturerbe unserer heimischen Natur zu pflegen und zu erhalten.

Die Gründe hierfür sind einerseits die Bedeutung des Streuobstbaus für die Landschaftspflege und den Naturschutz, andererseits aber auch ein Kulturgut und Teil unserer Tradition und Geschichte zu erhalten.

Und in jüngster Zeit steigt infolge des wachsenden Umweltbewusstseins auch die Nachfrage nach ungespritztem Obst aus heimischem Anbau wieder an, und viele Verbraucher sind inzwischen bereit für diese Früchte und Erzeugnisse einen höheren Preis zu bezahlen.

 

 

Quelle:
Fotos: 2008 GSM Grundschulmaterial Verlagsgesellschaft mbH (MF)

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