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Die steinerne Rinne im Diessener Tal

Eingraben oder höher wachsen?

Normalerweise - das ist auf der ganzen Welt so - gräbt sich ein kleiner Bach beim Fließen immer tiefer in die Erde ein und es entsteht mit der Zeit ein Tal. Doch im Diessener Tal, einem Seitental des Neckars in Baden-Württemberg ist das nicht so. Dort können Besucher ein sehr seltenes Naturwunder bestaunen, denn ein kleines Bächlein macht genau das Gegenteil. Das Fließbett des Wassers steigt in jedem Jahr um etwa einen Zentimeter nach oben. Wenn ihr das nicht glaubt, dann schaut euch einmal den kleinen Film an.

Kalkhaltiges Wasser

Bestimmt habt ihr beobachtet, dass das Wasser des Bächleins sehr schnell unterwegs ist. Es fließt einen Hang hinab und links und rechts der kleinen Rinne wächst Moos und Gras.
Das sind die ersten wichtigen Voraussetzungen, damit das Bachbett in die Höhe wachsen kann. Eine weitere Voraussetzung ist die Beschaffenheit des Wassers. Das Wasser aus dieser Quelle enthält sehr viel Kalk, weil sich im Einzugsbereich der Quelle im Laufe der Erdgeschichte vor etwa 120.000 Jahren riesige Kalktufflager gebildet haben.

Und jetzt löst das Wasser erst unterirdisch den Kalk aus den Gesteinen und transportiert ihn dann über die Quelle an die Oberfläche. In der sauerstoffreichen Umgebung lagert sich der Kalk wieder an den Moosen und Pflanzen ab. Dies wird begünstigt durch das schnell fließende spritzende Wasser.

Die Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als Kalkausfällung.
Der Kalk fällt wieder aus dem Wasser heraus in welchem er unterirdisch aufgelöst war. So bauen Kalk, Moose und Gräser das Bachbett mehr und mehr nach oben.
Mit abnehmender Wassergeschwindigkeit fällt dann wieder weniger Kalk aus dem Wasser. Der Aufbau des Bachbettes lässt deutlich nach.

 

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Einzigartig ist die Rechtskurve

Eine weitere Besonderheit der Tuffrinne im Diessener Tal besteht darin, dass genau an der Stelle der höchsten Wassergeschwindigkeit die Fließrinne eine Rechtskurve im Winkel von 90 Grad macht. Im Bereich dieser Kurve hat das Bächlein mit etwa 1,50 Metern seine größte Erhebung aus dem umgebenden Talgrund erreicht. Von dort an flacht die Rinne langsam wieder ab bis sie nach etwa 50 Metern verschwindet und der Bach ohne Kalktuffbildung weiter fließt.

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Das sollten wir uns merken

• Kalktuffquellen entstehen dort, wo versickerndes Regenwasser im Untergrund durch kalkhaltiges Gestein fließt und anschließend wieder ans Tageslicht tritt.

• Wenn kalkhaltiges Wasser über eine Quelle austritt und mit Luft in Berührung kommt, fällt ein Teil des gelösten Kalkes wieder aus und setzt sich an umgebenden Pflanzen und Moosen ab.

• Steinerne Tuffrinnen entstehen wenn das Bächlein ein großes Fließgefälle hat und gleichzeitig umgeben ist von Moos und Gräsern.

Quelle: Bilder und Video © Medienwerkstatt (ag)

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