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Unterricht vor 100 Jahren

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Die Volksschulklassen waren damals sehr groß und oft wurden auch – besonders in Dorfschulen – mehrere Jahrgänge in einem Raum unterrichtet.

So hatte der Lehrer damals kaum die Möglichkeit, sich mit einem einzelnen Kind zu beschäftigen. Meistens setzen die Lehrer auch ältere Schüler als Helfer ein.

Der Stundenplan beschränkte sich auf die Fächer Religion, Schreiben, Lesen und Rechnen.

Die wichtigsten Unterrichtsziele waren Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit. Die Schüler mussten auf jedes Zeichen des Lehrers gehorchen und seine Befehle möglichst auch noch geräuschlos ausführen.

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Auch wurden die Kinder damals dazu erzogen, im Takt zu arbeiten und sich im Takt zu bewegen.

So musste das Aufstehen, das Hinsetzen, das Auspacken der Tafel, das Schönschreiben von Buchstaben, das Betreten und Verlassen der Schule ...

... immer nach bestimmten Zeichen des Lehrers gleichzeitig und im Takt ablaufen.

Alles lief also mehr oder weniger nach dem Kommando des Lehrers ab und hatte viel Ähnlichkeit mit militärischem Drill.

Beispiel:

Die Schüler sollen ihre Tafel, die unter der Bank liegt, hervorholen.

Auf „eins“ fassen sie die Tafel an.
Auf „zwei“ ziehen sie die Tafel heraus.
Auf „drei“ halten sie alle die Tafel hoch.
Auf „vier“ wird sie auf die Bank gelegt.

 

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Auch wurde streng darauf geachtet, dass die Schüler gerade und angelehnt in den Bänken saßen. Beide Hände mussten auf dem Tisch liegen und die Füße mussten parallel nebeneinander auf dem Boden stehen.

Die Lehrer achteten sehr streng auf das Befolgen dieser Regeln und bei Ungehorsam gab es für die Schüler Ruten oder Stockschläge. Manchmal mussten die Schüler auch zur Strafe in der Ecke stehen oder am Nachmittag nachsitzen.

Beim Aufzeigen mussten die Kinder den Ellenbogen des rechten Arms in die linke Hand stützen und den Zeigefinger der rechten Hand erheben. Wurde ein Schüler von Lehrer aufgerufen, um eine Antwort zu geben, musste er sofort aufstehen, sich gerade neben seine Bank stellen und die verlangte Antwort geben.

Dabei mussten die Kinder im ganzen Satz sprechen und durften sich erst auf Geheiß des Lehrers oder der Lehrerin wieder hinsetzen.

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Beispiel:

Lehrerin: „Ein Bauer hat 6 Schweine, 5 Ziegen und 6 Hühner. Wie viele Tiere hat der Bauer insgesamt? – Maria!“

Maria: „Der Bauer hat insgesamt 17 Tiere, Fräulein Lehrerin.“

Lehrerin: „Richtig. Setzen!“

Es durfte auch grundsätzlich im Unterricht nur dann gesprochen werden, wenn es eine Antwort auf die Frage des Lehrers war. Sonstiges Reden oder Flüstern war nicht erlaubt und wurde bestraft.

Der Lehrer nahm in der Klasse hinter einem Katheder Platz, das ist ein erhöht stehendes Pult, von dem aus er seine Schüler besser beobachten konnte. Die Schüler saßen in hölzernen hintereinander stehenden Schulbänken, in denen es Vertiefungen für die Tintenfässer gab.

Die Tinte verteilte der Lehrer aus einer großen Flasche. Geschrieben wurde mit einem Federkiel, der aus einer Gänsefeder hergestellt war. Die Spitze dieses Federkiels musste immer wieder in die Tintenfässer getaucht werden, da die Tinte an der Spitze schnell verbraucht war.

Zu Beginn ihrer Schulzeit schrieben die Schüler früher mit Kreidegriffeln auf einer Schiefertafel, die mit einem kleinen Schwamm und einem Lappen immer wieder abgewischt werden konnte. Auf diese Weise wurden Hefte gespart. Die Schulsachen wurden in einem ledernen Schulranzen transportiert, der möglichst die ganze Schulzeit halten musste.

Eine große Wandtafel hing auch zu dieser Zeit schon in den Klassenräumen. Neben der Tafel stand ein Wasserkrug für den Tafelschwamm, denn fließendes Wasser gab es in den Schulhäusern noch nicht.

In den meisten Klassen stand auch bereits ein Globus, an dem der Lehrer den Kindern die Welt erklärte. Außerdem entstanden in dieser Zeit die bunten Schulwandbilder, um den Schülern Sachverhalte zu verdeutlichen.

In dem Klassenraum stand meistens nur ein einziger Ofen, der den großen Raum oft nicht gleichmäßig beheizte.

Viele Kinder mussten neben der Schule auch noch arbeiten, da viele Familien sehr arm waren. Im Unterricht waren sie dann oft zu müde, um aufzupassen und dem Unterrichtsstoff zu folgen.

Aber auch die Lehrer verdienten damals nur sehr wenig Geld. Sie waren oft nebenbei als Organist in der Kirche beschäftigt, um sich etwas Geld dazu zu verdienen.

 

Quelle:
Mit freundlicher Unterstützung von: „Westfälisches Schulmuseum Dortmund“
http://www.museendortmund.de/schulmuseum
44379 Dortmund; An der Wasserburg 1; Tel.: 0231 / 61 30 95
Heimat Dortmund – Stadtgeschichte in Bildern und Berichten
Schulmuseum und Schulgeschichte in Dortmund
Darin: Jochen Löher (Museumsleiter) „... dass man Kinder zur Schule halten solle!“
Ein Rundgang durch das Westfälische Schulmuseum

Fotos: Medienwerkstatt Mühlacker / aufgenommen im Westfälischen Schulmuseum Dortmund
Schüler erleben Unterricht wie vor hundert Jahren

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