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Bundesgerichtshof in Karlsruhe - Erbgroßherzogliches Palais

Abb Der Bundesgerichtshof ist in fünf Gebäuden auf einem parkähnlichen, knapp 4 ha großen Gelände im Karlsruher Stadtzentrum untergebracht.

Hauptgebäude ist das Erbgroßherzogliche Palais und zu dem ein über einen Verbindungsgang angeschlossenes ehemaliges Küchengebäude gehört. An seiner Stelle befand sich zuvor ein 1817 von Friedrich Weinbrenner erbautes klassizistisches Gartenpalais, der Witwensitz der Großherzogin Sophie, welcher später dem Großherzog Friedrich I. von Baden bis zu seinem Amtsantritt im Jahre 1852 für einige Zeit als Wohnsitz diente.

Nach dem Abbruch dieses Gartenschlösschens, zu dem ein Gärtnerhaus gehörte, das noch heute als sog. Weinbrennergebäude vom Bundesgerichtshof genutzt wird, erstellte Josef Durm in den Jahren 1891 bis 1897 ein neues Palais mit imperialer Oberlichtkuppel im Stil des Neobarock, dessen Innenausbau im Rokokostil von Friedrich Ratzel gestaltet wurde.

Erst im Jahre 1903 zogen der damalige Erbgroßherzog Friedrich und seine Gemahlin, Prinzessin Hilda von Nassau, mit ihrem Hofstaat ein. Auch nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1907 setzte Großherzog Friedrich II. seine Hofhaltung im Palais fort. Nach dem ersten Weltkrieg und der anschließenden Flucht des Großherzogs infolge der Novemberrevolution 1918 diente das Gebäude, das mit Ausnahme des Mobiliars in Staatsbesitz zurückfiel, verschiedenen Verwaltungszwecken, darunter im sog. Dritten Reich auch dem Reichsarbeitsdienst.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel zerstört und das Mansardengeschoss brannte aus. Nach dem Wiederaufbau wurde das Palais im Jahr 1950 dem Bundesgerichtshof und der Bundesanwaltschaft zur Nutzung zugeteilt.

In den Jahren 1999 und 2000 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im Palais durchgeführt. Im Hauptgebäude befinden sich heute die Diensträume des Präsidenten, die Verwaltung sowie Dienstzimmer und Sitzungssäle für einige Zivilsenate.

Im Erdgeschoss ist eine 2,40 m hohe, dreieckige Stele aus vergoldetem Messing als Mahnmal für die Opfer der NS-Justiz aufgestellt. Sie wurde von dem Graphiker und Designer Otl Aicher gestaltet, einem Schwager der Geschwister Hans und Sophie Scholl, die im Jahre 1943 wegen ihres Widerstandes gegen das NS-Regime aufgrund eines Todesurteils des Volksgerichtshofs hingerichtet wurden. Die Stele trägt die beiden Inschriften "Gerechtigkeit erhöht ein Volk" (Buch der Sprüche 14,34) und „Im Gedenken an die Frauen und Männer, denen im Namen des deutschen Volkes Unrecht geschah. 1933 - 1945".

Aufgrund des Anstiegs der Zahl der Bediensteten durch die Einrichtung weiterer Senate erbaute der Architekt Erich Schelling von 1958 bis 1960 längs der Herrenstraße auf hohen Betonstützen das sog. Westgebäude mit 118 Büroräumen, zwei kleinen Sitzungssälen und einer Bewirtungseinrichtung sowie den durch eine verglaste Brücke mit ihm verbundenen Saalbau mit dem fensterlosen, abhörsicheren großen Sitzungssaal für die Strafsenate.

In diesem Sitzungssaal befindet sich eine von dem Kunstmaler W. Kunz geschaffene 40 qm große Stirnwand aus norwegischem Rembrandt-Quarzit, deren Mittelteil mit einem Gewicht von 18 Zentnern die größte Steinplatte enthält, die je in Europa als Wandschmuck verwendet wurde.

Mitte 2003 wurde im Westgebäude mit Umbaumaßnahmen (103 Büroräume, keine Sitzungssäle mehr) begonnen, die Ende 2004 weitgehend abgeschlossen waren. Vermehrte Terroranschläge, insbesondere die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback und seiner Begleiter am 7. April 1977, waren der Anlass, von 1978 bis 1980 ein mit modernsten Sicherungseinrichtungen ausgestattetes Kontroll- und Wachgebäude mit einer Eingangsschleuse zu schaffen.

Die wehrhafte Einfriedung des Geländes durch eine überwachte Doppelzaunanlage sowie eine schusssichere Verglasung der Gebäude waren bereits in den 70er Jahren vorgenommen worden.

Zur Behebung der weiterhin wachsenden Raumnot, die bereits mehrere Außenstellen erforderlich gemacht hatte, und zur Schaffung angemessener Räumlichkeiten für die bisher behelfsmäßig im ehemaligen Küchengebäude und im Keller des Palais untergebrachte Bibliothek wurde eine bauliche Erweiterung des Bundesgerichtshofs in Angriff genommen. Dafür musste das Anfang der 50er Jahre für die Unterbringung der Bundesanwaltschaft errichtete Nordgebäude abgerissen werden.

Man entschied sich für eine räumliche Trennung von Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft. Seit dem 1. Oktober 1998 hat die Bundesanwaltschaft daher ihren Sitz in einem neu errichteten Gebäude in der Brauerstraße 30.

Der von den Braunschweiger Architekten Dohle und Lohse geplante und im Frühjahr 2000 begonnene sog. Erweiterungsbau wurde am 28. Oktober 2003 offiziell eingeweiht. Er bietet Raum für sechs Zivilsenate, zwei Sitzungssäle, die Dokumentationsstelle sowie auf ca. 4.700 qm Fläche die größte Gerichtsbibliothek Deutschlands.

Im Erdgeschoss dieses mit einer Fassade aus hellem römischem Travertin versehenen monolithischen Baukörpers befinden sich ein großer Versammlungsraum und eine Ausstellungsfläche für das Rechtshistorische Museum des gleichnamigen Karlsruher Vereins. Im Hof des Erweiterungsbaus finden sich als Bodenskulptur von Rudolf Herz kreisförmig angeordnete, 40 cm hohe Buchstaben aus schlackengestrahltem Edelstahl, die den Endlos-Satz „LEX INJUSTA NON EST“ bilden und damit das Verhältnis von Recht und Gesetz ansprechen.

Zwischen den beiden neuen Sitzungssälen wurde als weiteres Kunstwerk eine Vitrine mit wassergefüllten Glasbehältern auf schräg angeordneten Regalbrettern von Georg Herold mit dem Titel „Alles in Ordnung“ aufgestellt, das die ausgleichende Funktion der Rechtsprechung symbolisieren soll.

In der eigens dafür vorbereiteten Rückwand des größten Sitzungssaals des Erweiterungsbaus wurde als Hoheitssymbol eine von dem renommierten Maler und Bildhauer Prof. Markus Lüpertz geschaffene, über einen Meter große, bemalte Bronzeskulptur in Form eines Adlers aufgestellt. Dieses Kunstwerk wurde im Rahmen des von der Stadt Karlsruhe für ihre Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2010 veranstalteten Programms „2010 Die erste Nacht“ am 26. Februar 2005 der Öffentlichkeit präsentiert.


 

 

Quelle:
Text und Foto mit freundlicher Genehmigung des Bundesgerichtshofes in 76133 Karlsruhe, Herrenstraße 45 a
www.bundesgerichtshof.de

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