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Die Belagerung einer Burg

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Im Mittelalter war es nicht einfach, eine Burg zu erobern. Viele Burgen waren sehr gut befestigt und so gebaut, dass der Feind sie nicht so ohne weiteres einnehmen konnte. Daher wurden verschiedene Taktiken angewendet, um eine Burg zu erobern.

Die Angreifer versuchten zunächst, die Burgbewohner vollständig von der Außenwelt abzuschneiden, indem sie die Burg mit einer Armee belagerten.

Dazu war nur eine große Armee mit ausreichender Verpflegung imstande, die sich auch entsprechend verschanzen konnte, um vor den Gegenangriffen der Burgbewohner Schutz zu finden.

Denn die Menschen und Krieger auf der Burg ließen sich eine solche Belagerung natürlich nicht tatenlos gefallen.

Manchmal gelang es den Angreifern tatsächlich, die Burgherren regelrecht „auszuhungern“ und damit zur Aufgabe ihres Besitzes zu zwingen.

Viele Ritter und Krieger aber hatten nicht die nötige Geduld für eine derart lange Belagerung, die ja - je nach der Vorratshaltung auf der Burg - Wochen oder sogar Monate dauern konnte.

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Große Armeen versuchten es daher auch vor einem Angriff der Burg zunächst mit der Einschüchterungstaktik.

Sie umlagerten das Burggelände weithin sichtbar mit ihren Angriffswaffen, um den Feinden Furcht einzujagen und ihnen den Eindruck zu vermitteln, dass sie einem solchen Angriff nicht gewachsen sind.

Sodann folgte die Aufforderung an den Burgherrn, die Burg kampflos zu übergeben, um Menschenleben zu schonen.

Für den Fall der Kapitulation wurde zugesagt, alle Bewohner der Burg zu verschonen. Ansonsten aber wurde die völlige Vernichtung der Burganlagen und ein gnadenloser Kampf angedroht.

Für die tapferen Ritter, denen die Ehre und das Ansehen sehr wichtig waren, kam eine kampflose Übergabe der Burg aber nur selten in Frage.

Meistens wurde daher lange und unerbittlich gekämpft. Die Angreifer versuchten mit allen Mitteln die Burg zu stürmen, während sich die Burgbewohner im Schutz der Wehrmauern verteidigten.

 

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Die ersten Belagerungsgeräte, mit den man versuchte die hohen Burgmauern zu überwinden, waren Sturmleitern.

Zum Einrammen des Burgtores oder der Mauern wurde der Rammbock eingesetzt (Foto 1). Dabei handelte es sich um dicke Baumstämme, bei denen ein Ende mit einer Metallspitze verstärkt war.

Die Angreifer rammten ihn unter einem Schutzdach so lange gegen das Tor einer Burg, bis es nachgab und ihnen der Weg in die Burg offen stand.

Gleichzeitig versuchten die Angreifer, sich durch das Graben von Stollen einen Zugang zur Burg zu verschaffen.

War der Stollen weit genug vorangetrieben, wurden die Stützstollen in dem unterirdischen Tunnel angezündet. Dadurch versuchte man zu erreichen, dass die Burgmauern darüber ihr Fundament verloren und einstürzten.

Später kamen als Angriffswaffen mechanische Geschütze hinzu. Mit Katapulten und Schleudern verschiedener Art wurden schwere Geschosse auf die Burg und deren Verteidiger geschleudert. Steine und Unrat - aber auch brennendes Pech - wurden in das Innere der Burg geschleudert.

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Die Blide – auch unter dem Namen Trebuchet oder Tribock bekannt – war ein Katapult, das die schlimmsten Verwüstungen anrichten konnte (Foto 2). Sie war die größte Wurfwaffe im Mittelalter und mit ihr landeten die Geschosse sehr treffsicher auf den Mauern und Dächern einer Burg.

Eine Blide bestand zum größten Teil aus Holz und verfügte über eine Schlinge an einem langen Hebelarm, die mit den Geschossen beladen wurde. Ein fest angebrachtes Gegengewicht (Gewichtskasten) wurde mit Steinen, Erde oder Blei gefüllt.

Die Blide funktionierte nach dem Prinzip des Hebelwurfs und konnte Geschosse von bis zu 270 kg abwerfen. Teilweise wurden mit der Blide auch die Kadaver toter Tiere und Fäkalien auf die Burgen geschleudert - mit der Absicht, Krankheiten auf die Burg zu übertragen oder die Lebensmittel zu verunreinigen.

Eine weitere wichtige Angriffswaffe war der hölzerne Belagerungsturm. Er konnte an die Ringmauer herangefahren werden und hatte oben eine Zugbrücke, die zum Wehrgang heruntergelassen wurde.

Vor dem Einsatz eines solchen Belagerungsturms, mussten allerdings zunächst die Wassergräben und eventuell vorhandene Fallgruben überwunden werden.

Mit der Riesenarmbrust (Balliste), eine Wurfmaschine, die schon bei den alten Römern bekannt war, konnten Holzpfeile mit einer Eisenspitze abgeschossen werden (Foto 3). Bei dieser Waffe wurde ein Strang aus gedrehten Seilen dazu benutzt, den Wurfarm gegen einen Holzbalken hochschnellen zu lassen und dadurch das Geschoss wegzukatapultieren. Die Wucht der so abgeschossenen Pfeile war sehr heftig.

Nachdem das Schießpulver erfunden war, kamen bei einem Angriff auf eine Burg auch die ersten Kanonen zum Einsatz. Mit ihnen wurden schwere Eisenkugeln oder Steinkugeln abgefeuert.

Zunächst wurde das Schießpulver, das zur Sicherheit immer in einem Pulverhorn aufbewahrt wurde, in die Kanonenmündung gefüllt. Nachdem man die Kugel darauf gelegt hatte, wurde das Schießpulver angezündet. Durch die nachfolgende Explosion wurde die Kanonenkugel auf die Burg abgefeuert.

Nicht alle dieser ersten Kanonen waren besonders treffsicher, aber wenn die Kanonenkugel ihr Ziel erreichte, richtete sie schwere Zerstörungen auf einer Burganlage an.

 

Quelle:
Foto 1: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Rammbock.jpg
Rammbock im Château des Baux, Frankreich
Quelle: aus der eng. Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Battering_ram.jpg
http://en.wikipedia.org/wiki/GNU_Free_Documentation_License

Foto 2: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Trebuchet.jpg
Trebuchet at Château des Baux, France (reconstruction)
http://en.wikipedia.org/wiki/GNU_Free_Documentation_License

Foto 3: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Balliste_fireing.jpg
Balliste fireing
Photographed by myself during a show of Legio XV from Pram, Austria
http://en.wikipedia.org/wiki/GNU_Free_Documentation_License

Foto 4: Medienwerkstatt Mühlacker
www.grundschulmaterial.de

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