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Chief Seattle - Häuptling der Duwamish

Abb Häuptling Seattle wurde im Jahre 1786 auf Blake Island (Washington, USA) geboren und starb am 7. Juni 1866 in einer Suquamish-Reservation (Washington, USA).

Seine Geburt fiel in eine für die Geschichte seines Volkes tragische und folgenschwere Zeit.

Verheerende Seuchen, die von den Weißen ins Land geschleppt worden waren, suchten die indianische Bevölkerung heim und hatten viele Todesfälle zur Folge. Auch neuartige Waren und Schusswaffen trugen zur allgemeinen Unruhe im Land bei.

Seattles Vater Schweabe war ein Häuptling der Suquamish-Indianer, die auf Bainbridge Island lebten, wo die Duwamish-Indianer an einem Fluss lagerten. Seine Mutter Scholitza war die Tochter eines Häuptlings der Duwamish-Indianer. Da die Abstammung bei diesen Indianervölkern immer der weiblichen Linie folgte, galt Seattle als ein Angehöriger der Duwamish.

Der Name „Seattle“ wurde von den Indianern auf unterschiedliche Weise ausgesprochen. Man kannte sowohl die Variante „See-at-la” als auch „See-alth“.

Die ersten Engländer sah Seattle im Alter von etwa sechs Jahren.

Am 20. Mai 1792 landete Kapitän George Vancouver (1758–1798) in Puget Sound mit seinem Schiff „H. M. S. Discovery“. Als er auf Bainbridge Island vor Anker ging, schrieb er in sein Logbuch, das Dorf der Indianer sei das „schäbigste seiner Art“. Sogar die besten Hütten seien „arm und erbärmlich“.

Seattle hingegen war von dem Schiff und den Kanonen der Engländer sehr beeindruckt.

Schon in jungen Jahren genoss Seattle unter den Indianern ein großes Ansehen.

Und tatsächlich schätzte man ihn später als Stammesführer, so dass er sechs lokale Stämme unter seine Kontrolle brachte.

Seine erste Ehefrau starb gleich nach der Geburt der Tochter Kick-is-on-lo (um 1820–1896), die später Angeline (Foto 4 und 5) hieß.

Von seiner zweiten Frau bekam er sowohl Söhne und Töchter. Die Ehefrauen stammten aus Tola’ltu am Westufer von Elliot Bay. Seattle konnte acht Sklaven sein Eigen nennen, was als ein Zeichen für Reichtum galt.


Abb Bei einem Angriff der mächtigen Cowichans von Vancouver Island bewies Seattle, dass er ein tapferer Krieger war.

Er stellte einer Gruppe von Angreifern, die mit Kanus den Green River herunterfuhren, erfolgreich einen Hinterhalt.

Auch griff Seattle die S’Klallam, ein einflussreiches indianisches Volk an der Nordküste der Olympic Peninsula, an. Ferner soll er an Angriffen am oberen Snoqualmie River teilgenommen haben.

1833 gründete die „Hudson’s Bay Company“ am Puget Sound das „Fort Nisqually“. Francis Herron, der Chefhändler der Company, hielt Seattle für einen wichtigen aber auch sehr gefährlichen Indianer. Aus diesem Grund bat er ihn um Unterzeichnung eines Vertrages, der einen Mord unter Eid ablehnte.

Ausgelöst durch die Ermordung eines Medizinmannes der Suquamish verursachte Seattle 1837 so viel Ärger, dass William Kittson von der „Hudson’s Bay Company“ hoffte, die Suquamish würden ihren Häuptling töten. Doch er genoss ein großes Ansehen und ihm geschah nichts.



Aus Rache für den Mord an dem Medizinmann der Suquamish überfiel Seattle im Jahre 1841 das Dorf Yila’lgos am Zusammenfluss von Green River und White River. Sechs Jahre später unterstützte er die Suquamish bei einem Überfall auf den Hauptsitz der Chemakum.

Durch den Tod eines seiner Söhne wurde Seattle so sehr aus der Bahn geworfen, dass er den katholischen Glauben annahm und sich auf den Namen „Noah“ taufen ließ. Die Taufe erfolgte vermutlich in der „St. Joseph of Newmarket Mission“. Auch die Kinder Seattles wurden getauft und christlich erzogen.

Die Leute der Company gaben dem ungefähr 1,80 Meter großen Seattle den Spitznamen „Le Gros“ („der Große“).

 

Abb Der Übertritt zum katholischen Glauben war gleichzeitig auch das Ende der kämpferischen Zeit von Seattle.

Nun wurde er zu einem Anführer, der eine Zusammenarbeit mit den ankommenden weißen Siedlern anstrebte. Mit den Weißen führte er nie einen Krieg.

Die Stimme von Seattle war angeblich so weitreichend, dass man ihn eine halbe Meile weit hören konnte. Man sagte, über seine Lippen seien bedeutende Sätze gekommen wie der unaufhörliche Donner von Wasserfällen, die von unerschöpflichen Quellen gespeist würden.

Im Jahre 1846 erreichten weiße Siedler den Puget Sound. Die freundliche Begrüßung und die Hilfe, die Seattle ihnen zuteil werden ließ, brachten ihm den Ruf eines Freundes der Weißen ein.

In seiner berühmten Rede, mit der Seattle die Besucher im Sommer des Jahres 1850 begrüßte, bat er sie, sich unter seinem Volk anzusiedeln. Diese Rede wurde von Shaw aufgezeichnet, bald danach im „Oregon Spectator“ veröffentlicht und ermutigte zur Besiedlung im Tal des Duwamish-Flusses.

Häuptling Seattle suchte ganz gezielt Siedler aus, mit denen er Geschäfte machen konnte.

Da die Weißen die Namen „See-at-la“ oder „See-alth“ nicht gut aussprechen konnten, sagten sie „Seattle“, was den Häuptling aber nicht sehr erfreut. Er äußerte einmal, er werde sich nach seinem Tod jedes Mal, wenn Seattle gesagt würde, im Grab umdrehen.

Seattles Bemühungen, an der Entwicklung der nach ihm benannten Siedlung nachhaltig teilzunehmen und die Zukunft seines Volkes mit dem der Siedler zu vermischen, scheiterten aus zwei Gründen. Die weißen Einsiedler wollten immer mehr Land und waren auch bestrebt, ihre Leute getrennt von den Indianern zu halten.

Dadurch aber wurde Seattles Freundschaft und Loyalität ihnen gegenüber nicht gemindert.

Ab 1854 kaufte Isaac Stevens, der Gouverneur des Territoriums Washington, das Land der Indianer auf oder beschlagnahmte es einfach. Im Januar 1854 besuchte der Gouverneur Elliot Bay und kündigte Vertragsverhandlungen an, was Seattle begrüßte.

Während der Vertragsverhandlungen vom 27. Dezember 1854 bis zum 9. Januar 1855 war Seattle der Sprecher der Indianer und sollte ihre Interessen vertreten.

Abb Der inzwischen alte Häuptling beklagte, die Tage der Indianer gingen dem Ende zu, und die Zukunft gehöre dem weißen Mann.

Von der Rede Seattles machte sich Dr. Henry Smith (1830–1915), ein Chirurg und Schriftsteller mit einem Hang für eine blumige Sprache, angeblich Notizen.

Obwohl Seattle Zweifel daran hatte, dass sein Volk Geld für sein Land erhalten werde, setzte er als Erster sein Zeichen unter das mit Gouverneur Stevens vereinbarte Vertragsdokument.

Mit diesem Dokument wurde der rechtliche Anspruch auf ungefähr 2,5 Millionen Acres Land (ein Acre = 4047 Quadratmeter) abgetreten und ein Reservat für die Angehörigen der Suquamish garantiert, aber keines für das Volk der Duwamish.

Aus Ärger über die Verträge erkannten viele Duwamish die Führerschaft von Seattle nicht mehr an. Dies führte schließlich zum so genannten „Yakima Indianer Krieg“ von 1855 bis 1857.

Spätere Vorwürfe von Seiten der Indianer bezüglich Seattles Doppelzüngigkeit während dieses Konflikts deuteten an, dass der Häuptling einerseits versuchte, mit allen indianischen Gruppen östlich und westlich der Berge Kontakt zu halten, andererseits aber ein treuer Verbündeter der Weißen blieb, die durch seine Kontakte geheime Informationen erhielten.

Nach der Niederlage der Indianer bei diesen Auseinandersetzungen bemühte sich Seattle, seinem Volk zu helfen.

Er bat – allerdings ohne Erfolg – um Nachsicht für den indianischen Anführer Leschi, den Häuptling der Nisqually, der am 19. Februar 1858 gehängt wurde.

Im Jahre 1858 fragte der inzwischen alte und verarmte Seattle in einer Rede, warum der Vertrag aus dem Jahre 1855 nicht vom Kongress der Vereinigten Staaten unterzeichnet worden sei. Er beklagte: „Ich war den ganzen Winter sehr arm und hungrig und bin nun sehr krank. Bald werde ich sterben. Wenn dies geschieht, wird mein Volk sehr arm sein. Sie werden nichts besitzen, keinen Häuptling haben und niemanden, der für sie sprechen wird.“

Im Jahre 1864 empfing Seattle das heilige Sakrament der Firmung, womit er seinen christlichen Glauben bestätigte. Der Führer der indianisch-katholischen Gemeinde war damals nicht Seattle, sondern ein Suquamish-Anführer namens Jacob.

Eine Verordnung der Stadt Seattle aus dem Jahre 1865 erlaubte es den Indianern nicht, ihren ständigen Wohnsitz innerhalb der Stadtgrenzen zu haben. Dies zwang den Häuptling Seattle, den Ort zu räumen, an dem er die Siedler Shaw und Ebey 1850 begrüßt und zur Ansiedlung eingeladen hatte.

In der Folgezeit verbrachte Seattle sein Leben im „Port Madison Reservat“ und vermutlich nördlich der Stadtgrenzen, wo Angeline, die Tochter seiner ersten Frau (Foto 4 und 5), wohnte.

Am 7. Juni 1866 starb Seattle im Alter von etwa 80 Jahren gegen 13 Uhr in einem Altersheim. Er wurde in Suquamish im US-Bundesstaat Washington begraben. Von seinem Grab aus bietet sich ein herrlicher Blick auf den Puget Sound, und in der Ferne kann man gerade noch die Stadt Seattle erkennen, die nach ihm ihren Namen bekommen hat.

Nach der Meinung von Historikern überstanden die rund 14.000 Indianer des Gebietes Washington dank des Einflusses von Häuptling Seattle die Reservationspolitik der USA einigermaßen ungeschoren.

Bis in die 1970-er Jahre war die Geschichte des Häuptlings Seattle nur mit dem Namen der Stadt, die seinen Namen trägt, eng verbunden.

Doch mit dem Einsetzen der Umweltbewegung rückte die Rede von Seattle vor Gouverneur Isaac Stevens wieder ins Bewusstsein vieler Amerikaner.

Die Redegewalt und die große Aussagekraft der Worte von Häuptling Seattle erinnerten einige Menschen an große Griechen des Altertums.

 

Quelle:
Fotos: http://memory.loc.gov/ammem/index.html

Foto 1: Duwamish and Suquamish Chief Seattle portrait, Seattle, Washington, 1864.
PHOTOGRAPHER: Sammis, E. M.
CREATED/PUBLISHED: United States--Washington (State)--Seattle, 1864

Foto 2: Duwamish and Suquamish Chief Seattle in drawing, Seattle, Washington, 1891
PHOTOGRAPHER: Coombs, Ray
NOTES: Chief Seattle, Chief of the Duwamish and Suquamish. Drawing by artist Ray Coombs after the well-known photograph by E. M. Sammis

Foto 3: Duwamish and Suquamish Chief Seattle bust, Washington, 1912. ORIGINAL CREATOR: Wehn, James A.
NOTES: Statue of man's head by artist James A. Wehn, 1912.

Foto 4: Suquamish woman named Angeline, daughter of Chief Seattle, at home, Seattle, Washington, ca. 1890
NOTES: Angeline, daughter of Chief Seattle, Seattle Washington, ca. 1885-1896. She is seated on porch of very small wooden home. She wears a head scarf, and shawl pinned around her shoulders, over plaid skirt. A small dog sits up next to her.

Foto 5: Suquamish woman named Angeline, daughter of Chief Seattle in studio, Seattle, Washington, ca.1892
CREATED/PUBLISHED: Romans Photo Company, United States--Washington (State)--Seattle, ca. 1892
NOTES: Angeline, daughter of Chief Seattle wearing a head scarf, and plaid shawl pinned around her shoulders, over a long coat, ca. 1888-1896. She is seated in front of a painted backdrop with flowers. Original copied by W. P. Romans.

Foto 6: Suquamish Chief Sealth's gravestone at Suquamish, Washington,1938
PHOTOGRAPHER: Lindsley, Lawrence Denny, 1879-1974
NOTES: Catholic gravestone of Chief Seattle (Sealth), chief of the Suquamish and allied tribes, June 11, 1938

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