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Johann Hinrich Wichern – Der Erfinder des Adventskranzes

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Gedenktag evangelisch: 7. April
Der Name bedeutet: Johann: Gott ist gnädig (hebr.)
Hinrich: der reiche Schützer (althochdt.)
geboren: 21. April 1808 in Hamburg
gestorben: 7. April 1881 in Hamburg

Die Sitte des Adventskranzes geht zurück auf Johann Hinrich Wichern, den Gründer des „Rauhen Hauses" in Hamburg. Er hat im Dezember 1838 seinen Zöglingen an jedem Tag des Advents eine Kerze entzündet und sie auf einen Holzkranz gesteckt. Zu Weihnachten erhellte dieser Lichterkranz feierlich den Saal.

Das Kerzenlicht ist Symbol für Christus, das Licht der Welt. In den darauf folgenden Jahren wurden die Wände des Saals mit grünen Zweigen geschmückt, bis man 1860 auch den Holzreifen mit Tannenreisig umwand.

Damit war der Adventskranz geboren. Dieser Brauch hielt zunächst in evangelischen Familien Einzug, 1925 hing in Köln zum ersten Mal ein Adventskranz in einer katholischen Kirche.

Der Brauch verbreitete sich inzwischen weltweit.

Der Lebenslauf von Johann Hinrich Wichern 

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Johann Hinrich Wicherns Vater hatte sich vom Kontorschreiber zum Notar und Übersetzer empor gearbeitet. Als der starb, war Johann Hinrich mit 15 Jahren das älteste Kind von sieben Geschwistern.

Durch Nachhilfestunden musste er nun das Geld für den Unterhalt der Familie verdienen und die Schule verlassen, um zwei Jahre lang als Hilfslehrer und Erzieher in einem Knabenpensionat zu arbeiten.

Freunde aus der Erweckungsbewegung ermöglichten ihm das Studium der Theologie von 1828 bis 1831 in Göttingen und Berlin. In dieser Zeit besuchte er in Halle die von August Hermann Francke gegründeten Waisenanstalten, die großen Eindruck auf ihn machten.

In Berlin kam er in Kontakt mit Baron von Kottwitz und lernte dessen Freiwillige Armenbeschäftigungsanstalt kennen.

Nach seinem Examen im Jahr 1832, als Oberlehrer an der Sonntagsschule von St. Georg, einer proletarischen Vorstadt von Hamburg, sammelte Wichern Erfahrungen über die entstehende Großstadtgesellschaft und die sich zuspitzenden sozialen Verhältnisse.

Zu einer Zeit, die weder Krankenkassen und Altersrenten noch eine allgemeine Schulpflicht kannte, war das soziale Elend in Hamburg groß. Um Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu helfen, regte er an, „Rettungshäuser" einzurichten.

1833 gründete er, unterstützt von einem Freundeskreis, unter dem sich angesehene Hamburger Senatoren befanden, das „Rauhe Haus" in Horn bei Hamburg, wo er mit 12 Kindern im Alter von fünf bis achtzehn Jahren begann.

Im Oktober 1833 zog Wichern zusammen mit seiner Mutter in das strohgedeckte kleine Haus, das der Grundstock zu einem großen Gebäudekomplex werden sollte.

Im „Rauhen Haus" sollten bedürftigen Kindern durch Unterricht in Lesen und Schreiben und durch Gottesdienst und Gebet sowohl materiell als auch spirituell eine Zukunftsperspektive bekommen.

Dabei kam es Wichern darauf an, durch eine familiäre Atmosphäre ein Klima des Vertrauens zu schaffen. Erziehung beschränkte sich für Wichern nicht nur auf den schulischen Unterricht, wichtig war auch das religiöse Leben, die Arbeitswelt und die familienähnliche Erziehungsgruppe.

In der Schule sollte neben musischen Neigungen der eigene Lernwille der Schüler geweckt werden. Von der Arbeit in seinen Anstalten versprach er sich für seine Schützlinge nicht nur Berufserfahrung, sondern auch die Entwicklung eines sozialen Verhaltens.

Gebet und Arbeit waren die beiden Mittelpunkte des gemeinsamen Lebens. Abwechslung in den Alltag brachten Spiele, Feste und Feiern. Das Erziehungsziel Wicherns waren freie, christliche Persönlichkeiten, die Frohsinn und christliche Zucht zu vereinen wussten und lebendige Glieder in Staat und Kirche wurden.

Unter seiner Leitung wurde das Haus rasch zu einem Zentrum der Erziehungsarbeit in Norddeutschland.

Wicherns Gedanke der „Rettungshäuser" wurde bekannt.

1835 heiratete er die Sonntagsschullehrerin Amanda Böhme. Acht Kinder gingen aus dieser Ehe hervor.

1842 wurde eine Druckerei eingerichtet, der 1844 ein eigenes Verlagsgeschäft folgte, die „Agentur des Rauhen Hauses", und die Herausgabe der sogenannten „Fliegenden Blätter", welche die Interessen der Inneren Mission veröffentlichten.

Diese Bezeichnung „Innere Mission" stammt auch von Wichern, der diese Innere Mission bestimmte als „das Bekenntnis des Glaubens durch die Tat der rettenden Liebe". Das Jahr 1844 brachte auch die Einrichtung eines Gehilfeninstitutes; hier wurden Brüder ausgebildet für alle Zweige der Inneren Mission.

1845 beherbergte das Rauhe Haus 93 Kinder, 117 waren schon wieder in geordnete Verhältnisse entlassen. Zwei Oberhelfer, vier Schwestern und 32 Brüder taten in der Anstalt ihren Dienst, 25 Brüder standen auf Außenposten.

Die Anstalt erfreute sich eines regen Besuches aus dem In- und Ausland. Im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens zählte man über 10.000 Besucher. Überall im Lande bildeten sich Freundeskreise, die das Rauhe Haus durch Spenden unterstützten oder selbst zu eigenen Gründungen schritten.

Ab 1844 reiste Wichern regelmäßig nach Berlin, wo er Zugang zu Hofkreisen um König Friedrich Wilhelm IV. bekam. Im Februar 1848 fuhr er auf Geheiß der Regierung mit acht Brüdern in das Hunger- und Typhusgebiet Oberschlesiens und richtete auch dort für die Opfer der Katastrophe Rettungsstationen ein.

Wichern erlebte im März 1848 die Revolution in Berlin. Im September nahm er am Wittenberger Kirchentag teil, dem es in erster Linie um eine kirchliche Einigung Deutschlands ging. Wichern aber drängte auf die Behandlung praktischer Fragen der Inneren Mission.

Schließlich konnte er seine berühmte ¼-Stunden-Stegreifrede halten, die zur Einigung in der praktischen Liebe aufrief und in dem Satz gipfelte:

„Die Liebe gehört mir wie der Glaube. Wie der ganze Christus im lebendigen Gottesworte sich offenbart, so muss er auch in den Gottestaten sich bezeugen."

Christliche Verkündigung und soziales Engagement stellten für Wichern eine Einheit dar. Man beschloss die Bildung eines ständigen "Zentralausschusses", für den Wichern eine Programmschrift ausarbeiten sollte, die das Manifest der Inneren Mission wurde.

Werbend und helfend zog Wichern als „Herold der Inneren Mission" durch die deutschen Provinzen, aber nicht überall fand er Verständnis für die freie Vereinsarbeit der Inneren Mission.

Besonders die streng konfessionellen Lutheraner standen seiner Arbeit kritisch gegenüber.

Aus seiner Arbeit wurde Wichern herausgerufen durch die Bitte der preußischen Regierung, eine Reform des Gefängniswesens vorzunehmen. Er begann mit der Umorganisierung des Moabiter Gefängnisses in Berlin.

1857 wurde er als vortragender Rat ins preußische Ministerium des Innern berufen und gleichzeitig zum Oberkonsistorialrat im Evangelischen Oberkirchenrat, der damaligen zentralen Kirchenbehörde Preußens.

Seine Reformen wurden nur teilweise verwirklicht, er scheiterte an der Bürokratie und den alten Gefängnisbeamten. In den preußischen Kriegen von 1864, 1866 und 1870 organisierte er die diakonische Arbeit unter dem kämpfenden Soldaten.

Schwer erkrankt, musste er 1874 seine Ämter niederlegen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Rauhen Haus, wo er nach langem Siechtum 1881 verstarb.

Johann Hinrich Wichern kann also als Begründer der „Inneren Mission" der Evangelischen Kirche in Deutschland gelten.

Als „Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V." wirkt die Innere Mission heute auf vielfältigen Arbeitsgebieten weiter, umfasst in über hundert Fachverbänden ca. 31.000 Einrichtungen mit nahezu einer Million Plätzen bzw. Betten und 400.000 hauptamtlichen und fast ebenso vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern.

 

 

Quelle:
Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von: http://www.heiligenlexikon.de/

Bild 1: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Wichern_Adventskranz_originated_from_Germany.jpg
http://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons
Submitted by: Nils Fretwurst with friendly permission for public domain use in Wikipedia granted by the Public Relations & Press office of the Stiftung des Rauhen Hauses, in Hamburg, Germany
Date: October 2005

Bild 2: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Johann_Hinrich_Wichern.jpg
Johann Hinrich Wichern (1808-1881) Lizenz: Public Domain (aus: Das Rauhe Haus - die Brunnenstube der Inneren Mission. Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses, 1927)

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