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Indonesien, Banda Aceh: „Die Kinder sind unheimlich stark“

UNICEF-Nachrichten 2005 

Abb

Ein Jahr nach der verheerenden Flutwelle ist das Alltagsleben in die zerstörten Küstendörfer zurückgekehrt.


Doch noch immer leben Hunderttausende Menschen in Notunterkünften. Und die Kinder brauchen weiter Unterstützung.


Ein Gespräch mit der deutschen UNICEF-Mitarbeiterin Anna Stechert in Banda Aceh, Indonesien.







Abb Hat sich das Leben für die vom Tsunami betroffenen Menschen wieder normalisiert?

Nach einer so großen Katastrophe kann man nur bedingt von Normalität sprechen. Über 400.000 Menschen leben in Barackenlagern oder haben bei Freunden Unterschlupf gefunden.

Es ist unklar, wann sie ein eigenes Haus bekommen. Die Verwaltungen und Gesundheitseinrichtungen sind immer noch stark beeinträchtigt. Aber das Leben auf den Straßen ist zurückgekehrt Die Märkte sind voller Menschen, in den Cafés ist Betrieb.

Wie leben die Menschen jetzt?

Die Notunterkünfte sind sehr einfach und eng, aber auf jeden Fall besser als die Zelte, in denen die Menschen anfangs untergebracht waren.

Dreimal am Tag liefert UNICEF frisches Wasser in die Lager und ist auch für die sanitären Anlagen verantwortlich. Um die Situation für die Kinder zu erleichtern, haben wir 21 Kinderzentren eingerichtet.

Morgens sind die ganz Kleinen dort, nachmittags kommen die Schulkinder. Dort wird gespielt, getanzt, gesungen, die Kinder lernen und machen ihre Hausaufgaben.



Wie geht es den Kindern?

Besser. Die Kinder sind unheimlich stark. Sie sind viel aktiver geworden. Kurz nach dem Tsunami waren sie eher passiv, beteiligten sich wenig am Unterricht.

Die Kinder haben ihre Situation akzeptiert und machen das Beste daraus. Wenn ich sie besuche, erlebe ich kein Gejammer, keine Aggression. Die Älteren wollen vor allem selbst helfen.

Ich glaube, durch die Präsenz von UNICEF ist vielen Kindern und Jugendlichen auch bewusst geworden, dass sie Rechte haben und dass sie für sich selbst sprechen können.

Wir helfen ihnen, Kinderkomitees zu gründen. Dort treffen sie sich regelmäßig, diskutieren ihre Probleme und leiten ihre Vorschläge an die Verantwortlichen der Lager weiter.

Natürlich gibt es aber auch Rückschläge. An stürmischen Tagen, oder wenn wir eines der vielen Nachbeben haben, bricht Panik aus – bei Kindern und bei Erwachsenen.

 

Abb Wo hat der Wiederaufbau sichtbare Fortschritte gemacht?

Der Bau von 200 provisorischen Schulgebäuden ist fast abgeschlossen. In den nächsten drei Jahren wird UNICEF 350 dauerhafte Schulgebäude errichten und ausstatten, die ersten beiden sind im Bau.

Wir haben landesweite Impftage organisiert und dabei über 470.000 Kinder gegen Polio geimpft.

In der ganzen Provinz versorgen wir Kinder mit therapeutischer Zusatznahrung und medizinischer Betreuung.

Wir haben Lehrer, freiwillige Helfer, Mitarbeiter in Verwaltungen und Hebammen ausgebildet und sie mit notwendigen Materialien versorgt.

Über 20 Wasseraufbereitungsanlagen, vor dem Tsunami in einem teilweise katastrophalen Zustand, werden von UNICEF und Partnern repariert. Dank unserer Arbeit haben die Menschen in den Camps Zugang zu Toiletten und Trinkwasser.

Wo sind die größten Probleme?

Natürlich wäre es uns lieber, der Wiederaufbau würde noch schneller vorangehen. Aber es gibt Faktoren, die die Arbeit weiter erschweren.

Wenn wir eine Schule bauen, muss feststehen, dass die Menschen auch in jene Gegend zurückkommen. Nach wie vor sind Eigentumsrechte an Grund und Boden nicht geklärt, da die Dokumente zerstört wurden.

Abb Erschweren Chaos und Bürokratie den Wiederaufbau?

Die Zahl der Hilfsorganisationen ist ungewöhnlich hoch und die Koordination nicht einfach. Aber alle arbeiten daran, die Zusammenarbeit so effizient wie möglich zu gestalten.

Es gibt regelmäßige Absprachen und gemeinsame Projekte. UNICEF koordiniert die Bereiche Wasserversorgung, sanitäre Einrichtungen, Kinderschutz und Bildung.

Wie beziehen Sie die Gemeinden selbst ein?

Ohne die Unterstützung der Bevölkerung können wir nicht arbeiten, denn wir wollen erreichen, dass sie selbst langfristig die Verantwortung für Projekte übernehmen.


Die Gemeinden entscheiden zum Beispiel mit, wie ihre zukünftige Schule aussehen soll – von der Farbe des Gebäudes bis zur Zahl der Klassenzimmer. Menschen in den abgelegenen Gebieten helfen uns, neue Wasserquellen zu finden, die oftmals versteckt in den Hügeln liegen.

Wie stellt UNICEF sicher, dass Spendengelder nicht missbraucht werden?

Indem wir die Kontrolle über unsere Ausgaben behalten. Wir entscheiden selbst, welche konkreten Projekte wir unterstützen, sonst niemand.

Wir prüfen genau, mit wem wir zusammenarbeiten. Wir berichten laufend über den Fortgang der Projekte und die Planungen. Alle Ausgaben werden genau dokumentiert und kontrolliert.

Was war für Sie der schönste Augenblick in Ihrer Arbeit in Aceh?

Diesen Augenblick erlebe ich jeden Tag, wenn ich in den Projekten unterwegs bin. Ich liebe es einfach, mit den Kindern zu sprechen, mit ihnen zu spielen und sie dabei zu beobachten, wie viel Spaß sie haben.

Viele kennen meinen Namen und freuen sich, wenn ich komme. Das ist natürlich besonders schön!

 

Quelle:
Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von http://www.unicef.de

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