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Sonett 1

Wir wünschen Blüte der Vollkommenheit,
Auf dass der Schönheit Rose nie verdorrt,
Doch ist dem Tod die reife Frucht geweiht,
So pflanz' ein Erbe ihr Gedächtnis fort.

Du lebst nur dir, der Schönheit Selbstgenuss,
Schürst eignen Glanz, der dich verzehrend scheint,
Schaffst Hungersnot aus reichem Überfluss,
Grausam dir selbst gesinnt, dein eigner Feind.

Heut bist du noch der frische Schmuck der Welt,
Der einz'ge Herold für des Frühlings Reiz,
Doch wenn dein Schatz in einer Blüte fällt,
Wird zur Verschwendung, süßer Filz, dein Geiz.

Hab' Mitleid, birg nicht überreiche Gabe,
Der Welt Anrecht, in dir und in dem Grabe.

 

 

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/shakespr/sonett/0sonette.htm

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