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Brooklyn Bridge - Die tragische Geschichte ihrer Entstehung

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Insgesamt gibt es in New York 65 Brücken, welche die einzelnen vom Wasser zerteilten Bereiche dieser großen Stadt miteinander verbinden. Eine von diesen vielen Brücken, die Brooklyn Bridge, gehört wohl zu den bekanntesten Brücken der Welt.

Sie verbindet die beiden Stadtteile Manhattan und Brooklyn miteinander und wurde 1883 fertiggestellt, und ist damit die älteste Brücke über den East River (bedeutet so viel wie: Ost-Fluss). Zuvor wurden Fähren eingesetzt, um diese Stadtteile zu erreichen, und als die Brooklyn Bridge eröffnet wurde, war das eine Sensation. Denn sie war die längste Hängebrücke der Welt und konnte diesen Rekord auch 20 Jahre lang halten.

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Der Bau der Brooklyn Bridge von 1870 bis 1883 ist eine interessante aber auch sehr tragische Geschichte.

Die Planung und die Aufsicht über dieses riesige Bauprojekt hatte der Bauingenieur John Roebling. Die Idee zum Bau dieser gigantischen Brücke kam ihm, als er mit einer Fähre von Manhattan nach Brooklyn im zugefrorenen East River steckenblieb.

John Roebling (sein ursprünglicher Name war Johannes August Röbling, denn er war Deutscher), gelang es im Jahre 1857 den Stadtrat von New York zu überzeugen, eine Brücke über den East River zu bauen.

Doch bis zur Baugenehmigung und Bereitstellung der erforderlichen Gelder sollten noch Jahre vergehen. Bei Baubeginn im Jahre 1869 jedoch, als sich sein Traum von einer Brücke über den East River endlich erfüllen sollte, verunglückte John Roebling bei Vermessungsarbeiten so schwer, dass ihm bald darauf ein Fuß amputiert werden musste. Als Folge davon erlitt er eine Blutvergiftung und starb kurz darauf.

Washington Roebling, sein 32jähriger Sohn, der schon bei anderen Brückenbauten mit seinem Vater zusammengearbeitet hatte, übernahm in der Folgezeit die Bauleitung.

Die Fundamente für die beiden Pfeiler der Brücke wurden im damals neuartigen Verfahren der Caissongründung hergestellt. (Ein Caisson ist ein unten offener Senkkasten, der für Unterwasserarbeiten eingesetzt wird.)

Dieser unten offene Caisson, der aus Holz bestand, wurde von oben beschwert und so im Wasser abgesenkt. Anschließend wurde durch einen Überdruck das Wasser aus diesem Hohlkasten verdrängt, damit er von den Arbeitern betreten werden konnte. Zentimeter für Zentimeter wurde dann ausgeschachtet, wodurch der Caisson ganz allmählich immer tiefer absank.

Die Arbeitsbedingungen in einem solchen Caisson waren unmenschlich und auch äußerst gefährlich, wie Wissenschaftler aber erst später erkannten. Viele Menschen, die dort unten arbeiten mussten, hatten Beschwerden wie Atemnot, Bewusstlosigkeit, Lähmungen, geplatzte Trommelfelle oder sogar Blutungen aus der Nase und aus dem Mund.

 

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Als auch Washington Roebling in den Caisson stieg, um den Fortschritt der Bauarbeiten persönlich zu überwachen, erlitt er schwere gesundheitlichen Schäden. Den Rest seines Lebens musste er von diesem Tag an im Rollstuhl verbringen, da er teilweise gelähmt war. Auch seine Sehkraft verschlechterte sich immer mehr.

Erst viel später erkannten die Wissenschafter den Grund, der für diese Auswirkungen verantwortlich war: mangelnder Druckausgleich beim Verlassen des Überdruckbereichs im Caisson. Man nennt diese Erkrankung heute Caissonkrankheit oder auch Taucherkrankheit.

Weitere 20 Arbeiter ließen beim Bau der Brücke ihr Leben. Doch Washington Roebling gab nicht auf, er wollte den Traum seines Vaters unbedingt verwirklichen. Er nahm sich ein Hotelzimmer, von dem aus er mit einem Fernrohr die Bauarbeiten überwachen konnte, und ernannte seine Frau Emily zur stellvertretenden Ingenieurin. Und die nächsten elf Jahre bis zum Ende der Bauarbeiten an der Brooklyn Bridge hat sie die Anweisungen ihres Mannes zuverlässig an die Ingenieure überbracht.

Die Einweihung der Brooklyn Bridge fand am 24. Mai 1883 statt. Die Brücke wurde von dem amerikanischen Präsidenten Chester A. Arthur für den Verkehr freigegeben. Emily Roebling durfte mit einer Gruppe von Ehrengästen als erste die Brücke überqueren.

 

Das heißt, eigentlich war sie doch nicht die erste Passantin der Brücke. Denn da wohl niemand so richtig an die Belastbarkeit der neuen Brücke glaubte, wurde zuerst der Zirkus Barnum mit etlichen Elefanten über die Brücke geschickt. Nach diesem „Mammut-Test“ war die Brücke eine absolute Sensation und wurde teilweise sogar als das 8. Weltwunder bestaunt. Sowohl aus technischer Sicht als auch architektonisch gesehen setzte sie völlig neue Maßstäbe.

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Die Brooklyn-Bridge hat zwischen den beiden mittleren Masten eine Spannweite von 486 m. Die Fahrbahnlänge von Verankerung bis zu Verankerung beträgt 1091 m.

Es wurden die neueste Techniken eingesetzt, von der Herstellung der Tragseile bis hin zur Versenkung der tragenden Teile im Flussbett. Für die beiden Türme der Brücke, die rund 82 m aus dem Fluss herausragen, wurde Granit verwendet. Jedes Kabel, an der die Brücke hängt, besteht aus 5296 Kilometer galvanisiertem Draht (galvanisieren bedeutet: Ein Gegenstand wird auf elektrischem Wege mit einer dünnen Metallschicht überzogen, um ihn vor Rost oder Zerstörung zu schützen).

Ursprünglich führten sowohl Fahrspuren, Schienen und eine Fußgängerpromenade über die Brooklyn Bridge. Es spricht für das Können ihrer Konstrukteure, dass sie den 100.000 Fahrzeugen, die heute täglich auf ihr verkehren, ohne Anzeichen von Schäden gewachsen ist, eine Belastung, die bei ihrer Planung und während der Bauzeit sicher niemand angenommen hätte.

Washington Roebling blieb zwar für immer gelähmt, erholte sich aber so weit von seiner Krankheit, dass er immerhin 89 Jahre alt wurde, und sich noch lange an der Fertigstellung dieses Bauprojektes freuen konnte.

 

Quelle:
Foto 1: Nicolas Janberg www.structurae;
Foto 2 - 4: Medienwerkstatt

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