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Shareen interviewt Uroma Hilde über den 2. Weltkrieg

Abb 1939 begann der zweite Weltkrieg. Mein Uropa bekam seinen Stellungsbefehl. Bevor mein Uropa eingezogen wurde, heirateten meine Urgroßeltern im April 1940. Die Trauung fand im Standesamt im Dattelner Rathaus statt.

Meine Urgroßeltern bewohnten die oberen zwei Räume in der Schleswiger Str.5b, und die Eltern meiner Uroma wohnten in den unteren Räumen.

Oben gab es eine Wohnküche mit Kohleofen und ein Schlafzimmer. Unten eine Wohnküche und ein Schlafzimmer. Man behalf sich so gut man konnte.

Sofort nach der Hochzeit wurde mein Uropa als Soldat eingezogen und nach Mönchengladbach zur Grundausbildung geschickt. Er wurde zur berittenen Polizeidivision eingeteilt.

Von dort aus wurde er zu verschiedenen Regimentern versetzt. Er war in Deutschland, in Frankreich, Russland usw. Meine Uroma arbeitete zu der Zeit bei der Schmiede K. im Haushalt und wohnte weiterhin bei ihren Eltern im Beisenkamp.


Im Krieg gab es Lebensmittelmarken und Bezugsscheine für Kleidung.

Jedem Bürger stand nur eine kleine Menge an Lebensmitteln zu, für die man sich stundenlang anstellen musste.

Am 15. Dezember 1940 bekam mein Uropa seinen ersten Urlaub. An diesem Tag fand die kirchliche Trauung meiner Urgroßeltern in der Dattelner Josefkirche statt.

Für besondere Anlässe gab es eine Sonderzuteilung an Lebensmitteln und so konnten die Eltern und Trauzeugen meiner Urgroßeltern noch zu einem kleinen Imbiss nach der Trauung in Schleswiger Str.5b eingeladen werden.

Kurze Zeit danach musste mein Uropa wieder als Soldat in den Krieg.

Es gab immer öfter Fliegeralarm in Datteln. Die Sirenen heulten und alle Leute flüchteten sich in einen Bunker.

Im Beisenkamp gab es einen Bunker auf der Beisenkampstraße. Der war aber ein bisschen entfernt vom Haus meiner Uroma und so fielen manchmal schon die Bomben, bevor sie den rettenden Bunker erreichen konnte.

Meiner Uroma war zum Glück nie etwas passiert, aber viele andere Leute wurden verletzt oder sogar getötet. Die Männer aus der Beisenkampsiedlung bauten einen Stollen in die Zechenhalde bei Schacht 3 und 4. So konnten die Leute, die zu weit vom Bunker entfernt wohnten, in diesem Stollen Schutz finden. Das Leben war sehr schwer.

Alles war in Trümmern und man hatte immer Angst.

 

Abb Meine Uroma bekam nur sehr selten Briefe von meinem Uropa. Sie wusste fast nie, wie es ihm ging und wo er gerade war. Nur sehr selten bekam mein Uropa Urlaub.

Einmal konnte meine Uroma meinen Uropa hinter Berlin, wo er gerade stationiert war, besuchen. Das Treffen dauerte leider nicht lange, schon am nächsten Tag bekam mein Uropa einen neuen Stellungsbefehl. Er wurde nach Russland versetzt.

Im Juli 1943 wurde meine Oma Gerda geboren. Zwischen Bombenangriffen kam meine Oma als Hausgeburt in der Schleswiger Str. 5 b auf die Welt.

Es gab keine Babyausstattung, keine Windeln, keine für Babys geeignete Nahrung. Meine Uroma musste Kleidung und Windeln aus altem Stoff nähen und sich die Lebensmittelmarken gut einteilen, damit sie auch für ihr Kind sorgen konnte.

Zu der Zeit starben viele Kinder an Unterernährung. Bei jedem Fliegerangriff rannte meine Uroma mit ihrem Baby in den Stollen.

Abb Kurz vor Kriegsende räumten die Soldaten der Engländer alle Häuser und die Beisenkampbewohner mussten für mehrere Wochen in dem Stollen oder im Bunker leben.

Als endlich 1945 der Krieg zu Ende war, durften die Leute zurück in ihre Häuser. Meine Uroma hatte zu der Zeit seit Monaten keine einzige Nachricht von meinem Uropa erhalten. Sie wusste nicht, ob er noch lebte.

Später erzählte mein Uropa, dass er kurz bevor der Krieg vorbei war, mit seinen Kameraden von Amerikanern auf einer Wiese eingekreist worden war. Sobald er hörte, dass der Krieg vorbei war, sprang er auf sein Motorrad und raste los, um nicht in Gefangenschaft zu geraten.

Ein Hauptmann sprang hinten auf das Motorrad meines Uropas und beide fuhren so schnell sie konnten zuerst nach Nürnberg, wo der Hauptmann lebte. Dort tauschte mein Uropa sein Motorrad gegen Zivilkleidung, um nicht als Soldat erkannt zu werden und machte sich dann zu Fuß auf den Weg nach Datteln.

Am Tag als die erste Prozession nach Kriegsende in Datteln abgehalten wurde, an der auch meine Uroma zum ersten Mal teilnahm, erreichte mein Uropa sein zu Hause. Meine Uroma machte gerade mit ihrer Tochter Gerda einen Mittagsschlaf, als plötzlich mein Uropa vor ihr stand.

Meine Uroma sagt, dieser Tag war wie ein Geschenk des Himmels, ein Wunder.

Trotz harter Zeiten, Trauer und Not waren sie glücklich. Klein Gerda war über den fremden Mann im Haus nicht so glücklich. Ihr eigener Vater war wie ein Fremder für sie, an den sie sich erst langsam gewöhnen musste.

Mein Uropa musste sich ordnungsgemäß bei der Stadtverwaltung wieder anmelden. Doch da er keine Entlassungspapiere der Armee vorweisen konnte, mussten meine Urgroßeltern noch einige Monate in Angst leben, ob mein Uropa nicht von der Armee gesucht und bestraft werden würde. Doch es ging alles gut.

Mein Uropa arbeitete wieder bei der Molkerei und blieb dort, bis zur Rente. Meine Uroma war Hausfrau und Mutter. Gerda bekam noch zwei Geschwister.

Nach und nach ordnete sich das Leben. Die Trümmer wurden beseitigt. Kriegsschäden wurden behoben und alle, die den Krieg überlebt hatten, mussten einen Neuanfang starten.

 

Quelle:
Text: Schülerin einer 4. Klasse mit Hilfe ihrer Uroma

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Uroma Hilde

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