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Annette Langen - Ein Interview

Abb Wer Kinder hat, kennt ihn: Felix, den Kuschelhasen. Längst hat die Figur den Sprung aus dem Buch auf Koffer, Handtücher und sogar ins Kino geschafft. Felix ist ein Weltstar.

Den Star im Hintergrund kennen dagegen nur wenige. Annette Langen heißt die Autorin, die Felix immer wieder auf Reisen schickt und ihn aufregende Abenteuer erleben lässt.

Doch Felix ist nur eine der Figuren aus ihrer Feder, die Kinder und Erwachsene in den Bann zieht. Für ein Interview mit Wissen plus gewährte die Autorin Einblicke in die Kinderstube von Felix, Lilli und der kleinen Motzkuh.

Frau Langen, was ist Felix eigentlich für ein Typ?

Felix ist vor allem ein reiselustiger Kuschelhase. Er ist weltoffen und tolerant gegenüber anderen Menschen und Kulturen.

Außerdem macht er die Dinge, von denen Kinder nur träumen können: Er fliegt auf und nicht im Flugzeug, er reitet auf Kamelen, trifft den Weihnachtsmann und landet auf dem Mond. Dadurch ist er für die Kinder eine starke Identifikationsfigur.

Wie alt ist Felix?

Felix ist ein Hase in den allerbesten Jahren – und das seit 1994. Warum werden Felix, Sophie und die Familie nicht älter? Beim dritten Band haben wir das mal diskutiert. Denn Sophie hatte darin Geburtstag.

Ich hatte die Bücher immer so geschrieben, dass sie für sich allein gestanden haben und nicht das eine auf das andere aufbaute. Wir waren uns aber einig, die Figuren nicht älter werden zu lassen.

Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf oder die fünf Freunde sind in all den Jahren ja auch nicht älter geworden.


Abb Für welche Altersgruppe eignet sich die Felix-Reihe besonders gut?

Ich würde sagen, Felix ist etwas für Kinder ab fünf Jahren. Ich stelle aber immer wieder fest, dass auch jüngere Kinder von Felix fasziniert sind. Die Figur ist ja sehr vielschichtig.

Für die Kleinen ist er auf der emotionalen Ebene das geliebte Kuscheltier, das immer wieder verloren geht. Und wer als Eltern einmal das Kuscheltier seines Kindes gesucht hat, weiß, was das bedeutet. Für die Älteren erschließen sich andere Welten und der Forschergeist wird geweckt.

Besonders wichtig ist für die Mädchen die enge Beziehung zwischen Felix und Sophie. Deshalb schreiben viele auch an Sophie. Für sie ist Felix der Star und Sophie ist eine von ihnen, der sie vertrauen und an die sie sich wenden.


Was ist das Besondere an der Familie von Sophie?

Sie verkörpert Familienwerte, die ich aus meiner Familie kenne, und die ich auch an meine Kinder weitergeben möchte. Die Eltern gehen beide ihren Berufen nach, unterstützen die Kinder, fördern sie und nehmen sich Zeit für ihre Probleme.


 

Abb Ist das nicht ein Idealbild, das es heute immer weniger gibt?

Ich konnte zum Glück so aufwachsen. Lehrer etwa schreiben mir immer wieder, dass die Innigkeit zwischen Felix und Sophie für Kinder wichtig ist, die es aus ihrer eigenen Familie nicht kennen. Sie erfahren, dass es so etwas geben kann. Gerade vor dem Hintergrund der Gewalt an Schulen sei diese Darstellung ein hilfreicher Contrapunkt.

Die Bücher werden also in der Schule auch bewusst eingesetzt?

Manchmal geht das schon im Kindergarten los. Heute leben ja viele Kinder aus anderen Ländern mit uns und da kann die Felix-Figur durchaus etwas zur Völkerverständigung beitragen.

Bei einem Kindergartenfest zum Beispiel brachte jedes Kind etwas Typisches aus seinem Heimatland mit. Ich finde es prima, wenn Kinder mitbekommen: Es gibt andere Kulturen und jede hat ihre Daseinsberechtigung.

Wie kam es zu der Felix-Figur?

Ich sage dazu immer: Man kann nur schreiben, was man ist. Meine Eltern sind mit mir viel gereist und ich hatte selbst einen Kuschelhasen – der hieß allerdings Lausi. Den habe ich überall mit hingeschleppt und dadurch die Ohren ziemlich strapaziert.

Meine Oma musste die dann wieder annähen und ich dachte: Lausi braucht doch eine Spritze, das tut ihm doch weh – so echt war dieser Hase für mich. Außerdem hatte ich eine schöne Kindheit, viele Brieffreunde in aller Welt und später habe mich immer gern mit Kindern beschäftigt.

Insofern ist Felix, die Familie und die weltoffene, reiselustige Art sehr autobiografisch angelegt.


Abb Was vermitteln Ihre Bücher den Kindern?

Zunächst einmal einen ganzheitlichen Blick auf die Welt. Die Kinder sollen mit allen Sinnen die Vielfältigkeit der Welt erleben und sich selbst einen Eindruck verschaffen können. Außerdem möchte ich einen optimistischen, positiven Umgang mit Problemen vermitteln.

Wenn Sophie zum Beispiel etwas über die Bedrohung des Regenwaldes erfährt, jammert sie nicht und zieht sich zurück, sondern geht das Thema positiv an und versucht, sich einzusetzen.

Wie entsteht ein Felix-Band?

Meist schicke ich ein Manuskript an den Verlag und an die Illustratorin Constanza Droop. Danach diskutieren wir, an welche Stelle die Illustrationen passen.

Oft macht Constanza Droop auch Vorschläge und manchmal ändere ich auch an der einen oder anderen Stelle den Text.

Rund um Felix gibt es eine Vielzahl von Artikeln, Koffer, Bettwäsche, Stifte, Lampen etc. Ist dies in Einklang zu bringen mit Ihrer sehr persönlichen und ernsthaften Intention?

Ja. Ich finde, alle Beteiligten gehen sehr sensibel mit diesen Dingen um und achten darauf, dass die Artikel auch wertig sind. Oft führen diese Artikel aber auch zum Buch.

Neulich habe ich gelesen, dass deutsche Kinder unter sechs Jahren durchschnittlich nur 0,3 Bücher pro Jahr bekommen. Viele Produkte erwecken eine Figur ja erst zum Leben und führen dadurch zum Buch. Ich möchte, dass Kinder mehr Bücher lesen. Der Weg der Kinder dorthin ist allerdings vielfältig.

Nun schreibt Annette Langen ja nicht nur Felix-Bücher. Sprechen wir über „Die kleine Motzkuh“ …

... mein absoluter Liebling.

Warum?

Die Idee zur Motzkuh entstand, als meine Tochter in die Trotzphase kam. Irgendwann habe ich zu ihr gesagt: „Ach, du kleine Motzkuh.“ Das war die Initialzündung und dann habe ich diese imaginäre Kuh in der Familie getestet und festgestellt, dass sie immer dann auftauchte, wenn meine Tochter trotzte.

Dann habe ich die „Motzkuh“ gesucht, geschnappt und meine Tochter gefragt, was ich mit ihr machen soll. Sie sagte: „Schmeiß’ sie doch ins Klo.“ Das habe ich dann symbolisch gemacht und meinem kleinen Trotzkopf ging es wieder besser.

Daraus wurde dann ein Buch. Die Kinder freuen sich über die Motzkuh, die ihnen als Figur in ihrem Zorn hilft, und den Eltern gibt sie eine Möglichkeit, Trotzanfälle positiv umzulenken – ja, die Motzkuh mag ich sehr und habe auch noch viel mit ihr vor.

Schreiben Sie für Ihre Kinder?

Nein, das kann ich nicht sagen. Ich schreibe aus der Lust am Erzählen. Meine Kinder sind sehr inspirierend und sie sind die ersten, die meine neuen Bücher vorgelesen bekommen. Sie sind aber nicht der Grund, warum ich schreibe.

Es ist heute ja meist sehr schwer, Kinder zum Lesen zu bewegen. Medien wie Fernsehen und Computer sind oft die erste Wahl bei der Freizeitbeschäftigung. Dieser Zustand wird oft beklagt.

Welche Kriterien müssen Kinderbücher erfüllen, um mehr Kinder zum Lesen zu animieren?

Kindern muss die Lust am Lesen vermittelt werden. Ich finde Lesepatenschaften ganz toll. Erwachsene müssen mehr vorlesen, selbst lesen und damit den Kindern vorleben, was Bücher bieten. Begeisterung überträgt sich auf Kinder, und sie stellen ganz schnell fest, wie schön es ist, wenn zu der Geschichte die Bilder im Kopf entstehen und die Phantasie auf Reisen geht.

Kinder orientieren sich an ihrer Umwelt und vor allem an ihren Eltern. Das gilt für viele Verhaltensweisen und eben auch für das Lesen.

 

Quelle:
Mit freundlicher Genehmigung von:
Guido Klinker
medienfabrik Gütersloh GmbH
Carl-Bertelsmann-Straße 33
33332 Gütersloh
www.medienfabrik-gt.de

© Guido Klinker, medienfabrik Gütersloh GmbH
Beitrag erschienen in: Wissen plus, Kundenmagazin der inmediaONE] GmbH, Ausgabe Juli 2005

Fotos: © medienfabrik Gütersloh, Andreas Kühlken

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