Wochenplan- und Freiarbeit in der Grundschule

Grundlagen und Methodik

Fotos und Texte: Maggie Fischer
Grafiken: Sabine Kussmaul
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Gestaltung des Klassenraums

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Die Gestaltung des Klassenraums trägt wesentlich dazu bei, überschaubare Strukturen für die SchülerInnen zu schaffen. Durch eine sinnvolle Anordnung der Arbeitsmittel und Materialien werden bereits wirksame Ordnungen vorgegeben.

Abbildungen: Gestaltung eines Klassenraums für 31 Kinder im 1. Schuljahr:
Klassenbücherei Raumteiler mit Material und Lesehaus fester Sitzkreis
Computerecke 1 Computerecke 2 in den Sitzkreis integriert und Arbeitstische für die Wochenplanarbeit Fächer für Karteihefte
Eigentumsfächer für Malkasten, Wachsmalstifte Wochenplanschubladen Regale mit Arbeitsmitteln und Lernspielen unten Hängekartei für jede Tischgruppe
Materialwagen für
Tischgruppe 3
Ablage für Schulbücher, Wendeplättchen, Klebe und Schere
rechts: Regale mit Arbeitsmitteln und Lernspielen Arbeitsmittel für Mathematik

Regeln und Rituale

Die ersten Unterrichtswochen sollten genutzt werden, um Regeln und Rituale einzuführen, die zu einer schnellen Integration der einzelnen Kinder in die Klassengemeinschaft führen und eine Identifizierung mit "ihrer Klasse" und "ihrem Klassenraum" gewährleisten.


Beginn des Unterrichts im Sitzkreis

- Aufsuchen des Sitzkreises nach Tischgruppen,
- Verlassen des Sitzkreises der Reihe nach im Uhrzeigersinn
- Gesprächsregeln im Sitzkreis, die mit den Kindern abgestimmt werden.


Vereinbarungen über feste Symbole für Ruhe- und Arbeitsphasen
Erinnerungskärtchen:"Sei bitte leise!"
Regeln ermöglichen Verantwortung und Routine
  • Entlastungsfunktion
  • Ein Schultag kostet weniger Kraft

Tischdienst
An jedem Gruppentisch hat jeweils eine Woche lang ein Schüler "Tischdienst" , der für das Austeilen, Holen und Wegbringen der Materialien und die Ordnung am Tisch zuständig ist.

Kakao- und Milchliste
Wäscheklammer: Guten-Morgen-Gruß im Sitzkreis

Klassenämter
Auf der rechten Seite wurde eine Magnetschiene aufgeklebt. So können die Symbole für die Ämter wochenweise verschoben werden.

Sehr hilfreich ist es, alle Materialien der Schüler mit Namensschildern zu bekleben, auf denen zusätzlich auch das Bildsymbol des Kindes abgebildet ist. An den Gruppentischen sind diese Symbole erfahrungsgemäß nach ca. einer Woche bekannt, so dass alle Materialien nur in den entsprechenden Ablagekörben (durchnumeriert von Tisch 1-5) deponiert werden müssen; ausgeteilt werden sie von den Schülern selbst - das erspart von Beginn an viel Zeit und Unruhe.

Durch das Anheften von nonverbalen Arbeitsanweisungen werden ständiges Nachfragen und zusätzliche, unnötige Erklärungen durch die Lehrpersonen vermieden. Außerdem reagieren die SchülerInnen viel besser auf Bildimpulse, zumal diese an der Tafel hängen bleiben und sich die Kinder gegenseitig auch Hilfen und Tips geben können, was sie auspacken, arbeiten oder erledigen sollen.

Beispiele für Tagespläne
Abbildungen der Materialien, die jeweils in der 1. Stunde benötigt werden

Die SchülerInnen lernen in den ersten Schulwochen die Bildsymbole für die einzelnen Fächer und Arbeitstechniken kennen, die täglich als Tagesplan zur Orientierung an der Tafel hängen.

Als sehr sinnvoll hat es sich auch herausgestellt, zu Beginn jeder Schulstunde bzw. neuen Arbeitsphase die Abbildungen der Materialien, die benötigt werden, an die Tafel zu heften. Denn in den Phasen, in denen Schüler Material holen und wegräumen entsteht insbesondere in großen Klassen schon ein relativ hoher Geräuschpegel, selbst wenn die Schüler leise sind.
In solchen Phasen auch noch Schüler, die nicht zugehört haben zu erinnern, erzeugt weitere Unruhe. Wesentlich ruhiger und auch kraftsparender ist es, einfach noch einmal auf die Tafel zu zeigen.
Nach einer Phase der wirklich konsequenten schrittweisen Einführung haben diese angehefteten Symbole Signalwirkung und der Sprechanteil des Lehrers geht erheblich zurück.

Die SchülerInnen, die zum Förderunterricht kommen sollen, erhalten am Tag zuvor eine Förderkarte in der entsprechenden Farbe. Diese FÖ-Karte liegt zur Information der Eltern, dass ihr Kind am nächsten Tag Förderunterricht hat, im Etui. So kann der Lehrer flexibel und zeitsparend Kinder zum Förderunterricht bestellen.

Beispiel für einen Stundenplan mit Bildsymbolen

Wichtig für die Orientierung der SchülerInnen ist auch, dass nur solche Lernspiele, Arbeitsmittel und Karteien greifbar für die SchülerInnen in der Klasse stehen, mit deren Umgang sie vertraut sind bzw. deren Spielregel bereits eingeführt wurde. Diese Materialien sollten möglichst auch nach Fächern und Lernbereichen geordnet in der Klasse aufgestellt werden. Wenn jedem Spiel oder Arbeitsmittel ein fester Platz zugeordnet werden kann, ist für die SchülerInnen auch das Aufräumen einfacher. Eine wichtige Regel vom 1. Schultag sollte sein, alles stelle ich dorthin zurück, wo ich es hergeholt habe.


Der Einstieg in die Wochenplanarbeit

Als Vorbereitung für die Wochenplan- und Freiarbeit, den Umgang mit Lernspielen und zur Einführung von Partner- und Gruppenarbeit kann in den ersten Schulwochen der Förderunterricht genutzt werden, um in kleinen Gruppen Spielregeln und Spiele einzuführen bzw. bekannte Spielregeln aufzugreifen. Die Schülerinnen und Schüler spielen u. a. Domino-, Memory-, Puzzle- und Bingo-Würfel-Spiele zur Zuordnung von Mengen und Würfelbildern zu Ziffern, sowie Bingo-Spiele zu rechts – links als Vorbereitung auf diverse Anlaut-Spiele nach Einführung der ersten Buchstaben. Ferner können bereits Klammerkarten zur Zuordnung von Ziffern zu entsprechend abgebildeten Mengen und Würfelbildern eingesetzt werden.
Bingo- Würfelspiel
zu den Zahlen 5 -10
Bingo- Würfelspiel
zu den Zahlen 2 -10
Bingo- Würfelspiel
rechts - links
Spielregel zum Bingo-Würfelspiel zu den Zahlen 2-10
Das Spiel wird von zwei Kindern gespielt. Sie brauchen zwei Würfel, die mit den Ziffern 2-10 beklebt sind, je eine Spielfigur und Plättchen in zwei verschiedenen Farben. Die Kinder setzen ihre Spielfigur zu Beginn des Spiels auf ein beliebiges Feld (hier: Mengen von 2 -10). Entsprechend der gewürfelten Augenzahl ( den Würfel darf der Schüler jeweils wählen) wird vorwärts gesetzt. Zu dem erreichten Mengenfeld wird die richtige Zahl genannt und in der Mitte mit einem Plättchen belegt. Der Spieler, der links sitzt, hat das linke Zahlenfeld und der Spieler, der rechts sitzt, hat das rechte Zahlenfeld. Sieger ist derjenige, der zuerst drei Plättchen waagerecht oder senkrecht in einer Reihe ablegen konnte.
Anlautdomino Schüler legen ein Anlautdomino Anlautdomino

Wichtig dabei ist, dass nur Lernspiele, Karteien und Arbeitsmittel in der Klasse stehen, die bereits eingeführt sind. Auch sollten diese Materialien einen festen Platz in der Klasse haben.


1. Wochenplan für Klasse 1
Nachdem die Rituale der Einführung eines neuen Buchstaben (akustische und optische Analyse, Lautgebärden, Nachspuren, Ertasten des Buchstabens, Anlauttabelle, Schreiben und Lesen des Buchstabens usw.) bzw. einer neuen Zahl an jeweils drei bis vier Buchstaben und Zahlen eingeübt worden sind, können die Kinder dann ab der fünften Unterrichtswoche nach Wochenplänen arbeiten. Wenn bereits auf mehreren Arbeitsblättern eine Zahl oder ein Buchstabe zunächst in Nachspurschrift und anschließend selbständig geschrieben wurde, ist den SchülerInnen die Aufgabenstellung dieser Arbeitsblätter bekannt. Solche Aufgaben können also durchaus schon in den Wochenplan ausgelagert werden. Die Organisationsform des Wochenplans kann am besten mit den Schülerinnen und Schülern am Montag im morgendlichen Sitzkreis besprochen werden.

Die Aufgaben des Wochenplans sind zunächst nach den Bereichen Lesen, Schreiben und Mathematik je nach Bedarf von 1. bis 3. durchnumeriert. Zur besseren Orientierung hängt der jeweilige Wochenplan auch in Großformat vorne an der Tafel oder an der Wand.

Lehrerverhalten
  • weniger frontal lenkend und vortragend
  • mehr überschauend und beobachtend
  • geeignete Materialien bereitstellen
Jeder Schüler erhält einen Schnellhefter für die Wochenplanarbeiten. In dem Schnellhefter befindet sich hinten in einer Prospekthülle der jeweilige Wochenplan, so dass die zu erledigenden Arbeiten rechts angekreuzt werden können. Auf einem Regal oder Tisch stehen entsprechend zum Wochenplan Ablagekörbe mit den Arbeitsaufgaben bzw. Arbeitsblättern. Passend zum Wochenplan sind diese Ablagen ebenfalls durchnumeriert und mit den entsprechenden Bildsymbolen für die Tätigkeiten Lesen, Schreiben und Mathematik beklebt.

Alle zu bearbeitenden Aufgaben befinden sich in den ersten Wochen der Wochenplanarbeit zunächst auf Arbeitsblättern, um den Ablauf der Wochenplanarbeit zu "trainieren" . In dieser Einführungsphase ist es besonders wichtig, dass die zu bearbeitenden Aufgaben so einfach wie möglich sind, damit keine Rückfragen zu den Aufgabenstellungen von Seiten der Schüler kommen. Vielmehr soll ein methodischer Ablauf geübt werden, bei dem der Lehrer jetzt erfahrungsgemäß Hilfen zur Organisation anbieten muss. Wenn der Ablauf der Wochenplanarbeit allen SchülerInnen geläufig ist, können auch schwierigere Aufgabenstellungen hinzukommen.

Die Reihenfolge der Bearbeitung von Aufgaben ist beliebig. Entnimmt ein Schüler oder eine Schülerin ein Arbeitsblatt oder Arbeitsmittel, malt er oder sie zunächst den Kreis mit der entsprechenden Nummer auf dem Wochenplan bunt an. Dadurch ist sichergestellt, dass die Kinder bei begonnenen Arbeiten auch am nächsten Tag noch wissen, welche Aufgabe sie gerade aktuell bearbeiten. Nach der Fertigstellung einer Arbeit wird das Kästchen am rechten Rand des Wochenplans angekreuzt. Wenn alle Pflichtaufgaben erfüllt und abgehakt sind, können sich die SchülerInnen eine freie Arbeit aussuchen.

Kontrolle fertiger Arbeiten

Die Wochenplanmappe (und später auch die Karteihefte) wird nach Beendigung der Pflichtaufgaben in markierten Fächern für den Lehrer abgelegt. So hat der Lehrer oder die Lehrerin die Möglichkeit, schon im Laufe der Woche sukzessiv die Schülerarbeiten nachzusehen und ggf. zusätzliche Hilfen und Übungen anzubieten.

Zu einem späteren Zeitpunkt können in zunehmendem Maße selbsterstellte Lese-, Schreib- und Rechenkarteien eingesetzt werden. Dazu bekommen die Schüler Karteihefte, die mit einer Fortschrittsliste versehen sind, d.h. vorne in das Heft wird jeweils eine Übersicht der zu bearbeitenden Aufgaben geklebt. Hier kann jeder Schüler ankreuzen, welche Aufgabe er schon erledigt hat. Dadurch erreicht man auch einen Rückgang der Unmengen von Kopien, die sonst für die SchülerInnen benötigt werden.

Neben den Förderunterrichtsstunden können die Schüler auch täglich wenn der jeweilige Tagesplan erledigt ist, an ihren Wochenplänen weiterarbeiten. Es ist sinnvoll zu einer Förderunterrichtsstunde langsamer arbeitende Kinder zu bestellen, damit sie in einer kleinen Gruppe die Möglichkeit haben, vor- oder nacharbeiten können.

Um sicherzustellen, dass sich auch langsamer arbeitende SchülerInnen im Wochenplanunterricht mit Lehr- und Lernspielen beschäftigen können, sollten diese Aufgabenstellungen nach und nach in die Pflichtaufgaben eingebaut werden.
Zur besseren Orientierung stellt man die Spiele bzw. Karteien, die während des Wochenplans bearbeitet werden sollen, in den Ablagekorb mit der entsprechenden Nummer.

Hier wird deutlich, dass mit fortschreitendem Lesevermögen die Aufgaben des Wochenplans im Laufe der Zeit anspruchsvoller und umfangreicher werden können.


Wochenplanarbeit

Veränderte Lehrerrolle

  • helfen
  • beraten
  • beobachten
  • differenzieren

Wochenplan
Material holen
Schüler während der Wochenplanarbeit
Lehrer steuert den Unterricht durch Auswahl von Material

Schüler entscheiden und arbeiten selbständig

Arbeit mit Klammerkarten Bingospiel zur Lesekartei Arbeit mit der Lesekartei
Aufgabenkarten für den Holzcomputer Einzelarbeit mit dem Holzcomputer Partnerarbeit mit dem Holzcomputer
Mehr zum Lernmittel "Holzcomputer"
VARIOkarte Mathematik Vario-Materialecke im Klassenzimmer Einzelarbeit mit einer Deutsch VARIOkarte
Mehr zum Lernmittel "VARIOkarten"

Und so sieht es in dieser Schulklasse im 4. Schuljahr aus

Gestaltung eines Klassenraums für 27 Kinder in einem 4. Schuljahr:
Raumteiler mit Material, Lesehaus und Arbeitsplatz für Partnerarbeit oder Gruppenarbeit

Materialecke mit Holzcomputern und VARIOkarten

Klassenbücherei mit Sachbüchern für Forschungsaufträge
Computerecke 1 und Klassenbücherei mit Kinderbüchern

Computerecke 2 in den Sitzkreis integriert und Arbeitstische für Wochenplanarbeit

Wochenplan und Ablagen für erledigte Arbeiten

Materialien für Wochenplan- und Freiarbeit
Beispiel für einen Wochenplan zu Beginn des 4. Schuljahres

MATERIALIEN

Doppel-CD "Wochenplan- und Freiarbeit"

VARIOkarten Deutsch und Mathematik

Lernsoftware
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Letzte Änderung: 9.11.2005