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Das tägliche Leben der Bergmannsfamilien

Abb Neben der schweren Arbeit unter Tage mussten die Bergleute auch nach dem Schichtende und am Wochenende viele Arbeiten verrichten, um ihre Familien ernähren zu können.

Viele von ihnen hatten ein Handwerk (Schlosser, Schuster, Schreiner) erlernt, bevor sie anfingen im Bergbau zu arbeiten und konnten sich dadurch etwas hinzu verdienen.

Auch hielten sie in den Ställen neben oder hinter den Häusern in der Kolonie Schweine, Ziegen, Hühner, Gänse und Kaninchen um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Ziege wurde damals wegen ihres guten Milchertrages auch „Bergmannskuh“ genannt.

Da die Zeche umfangreichen Landbesitz hatte, waren die Bergarbeiterkolonien so angelegt, dass allen Bergleuten auch Garten- oder Ackerland zur Verfügung stand. Hier wurden unter anderem Kartoffeln, Kohlarten, Bohnen, Möhren, Spinat und Erbsen angebaut. Die Familie ernährte sich größtenteils von dem, was der Stall und der Garten an Nahrungsmitteln bot.

Abb Im Winter fanden die Hausschlachtungen statt, zu denen ein Metzger bestellt wurde. Der Metzger schlachtete und zerlegt die Schweine.

Dann wurde das Fleisch geräuchert, gepökelt, verwurstet oder eingekocht, um für mehrere Monate Vorräte an Fleisch und Wurst zu haben, denn Kühlschränke und Gefrirrtruhen gab es damals noch nicht.

Was die Familie sonst noch zum Leben brauchte, wurde im „Konsum“ eingekauft. In diesen Läden konnte die Belegschaft der Zeche preisgünstig einkaufen. Es gab aber auch Müller und Milchbauern, welche durch die Kolonien fuhren, um ihre Waren zu verkaufen.

Süßigkeiten allerdings konnte sich damals kaum eine Familie leisten. Die Kinder bekamen für ihren „süßen Hunger“ ein Butterbrot mit Rübenkraut oder aufgestreutem Zucker. Bonbons, die „Klümkes“, wurden in der Pfanne aus Butter und Zucker selbst hergestellt.

 

Abb Die Kleidung der Menschen bestand vorwiegend aus Leinen, Nessel, Flanell und Biber und wurde meistens selbst genäht. Da es noch keine Waschmaschinen gab, musste die Hausfrau die Wäsche zunächst in einem Kessel auf dem Ofen kochen und einweichen. Gewaschen wurde damals noch mit Bürste und Waschbrett in Handarbeit. So war auch die Arbeit der Hausfrau viel anstrengenden und aufwändiger als heute.

Der ganze Stolz einer Hausfrau damals und das Prunkstück der Wohnküche war der Herd, der immer blank geputzt wurde. In der Küche war der Herd immer beheizt. Daher hielt sich die Familie vorwiegend in der Wohnküche auf, denn auch an den Heizkosten musste gespart werden.

Meistens stand auf dem Herd ein Wasserkessel und eine Kanne mit Malzkaffee, dem Muckefuck. Auch war es damals üblich hinter dem Herd einen bestickten Wandschoner aufzuhängen, der die Wand vor Fettspritzern schützen sollte.

Auf diesen Herd in der Küche wurde auch das Bügeleisen gestellt, bis es heiß war. Mit diesem Bügeleisen, das aus Gusseisen hergestellt war, konnten die Frauen eine Weile bügeln. Wenn es ausgekühlt war, musste es wieder auf der Herdplatte erhitzt werden. Daher hatten viele Haushalte zwei Bügeleisen, die im Wechsel benutzt wurden, um die Bügelarbeit nicht immer unterbrechen zu müssen.

Abb Neben der Hausarbeit mussten die Frauen auch noch das Vieh versorgen, das Arbeitszeug des Mannes flicken und Gartenarbeit verrichten. Auch sie hatten daher kaum Freizeit.

Daher wurde das Wohnzimmer, die sogenannte „gute Stube“, nur an Feiertagen betreten, wohl aber auch um diesen Raum zu schonen. Hier wurde dann mit einen Kanonenofen geheizt.

Gebadet wurde in den Familien damals nur einmal in der Woche und meistens am Samstag. Wenn das Wasser in einem großen Einkochkessel erwärmt war, wurde es in eine Zinkwanne gegossen, die in der Küche aufgestellt wurde. Nacheinander badeten die Familienmitglieder dann in diesem Badewasser.

Sicher kannst du dir vorstellen, dass die Kinder sich darum gestritten haben, wer als erster in die Wanne steigen durfte.

 

Quelle: Die Texte und Illustrationen zum Thema „Die Zeche Emscher-Lippe“
entstanden mit freundlicher Unterstützung des Hermann-Grochtmann-Museums
und des Stadtarchivs der Stadt Datteln

Literaturangaben und Hinweise für Lehrer...

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