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Sonett 22

Dem Spiegel glaub' ich nimmer meine Jahre,
Solange dir die Jugend sich gesellt,
Doch wenn ich Furchen erst an dir gewahre,
Dann weiß ich, daß mein Leben auch verfällt.

Denn deine Schönheit, deiner Jugend Lust
Schließt nur mein Herz als prächt'ge Hülle ein,
Das in dir schlägt wie deins in meiner Brust;
Wie könnt' ich also älter als du sein?

Drum wahre, Liebster, dich in guter Pflege,
Wie ich für dich, für mich nicht bin bedacht,
Dein Herze hütend, das ich treulich hege
Wie eine Amme, die ihr Kind bewacht.

Du hast kein Herz mehr, wenn einst meines bricht,
Deins gabst du mir, zurück geb' ich es nicht.

 

 

Quelle:
http://gutenberg.spiegel.de/shakespr/sonett/0sonette.htm

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