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Sonett 66

Des Todes Ruh' ersehn' ich lebensmüd,
Seh' ich Verdienst als Bettler auf der Welt,
Und leeres Nichts zu höchstem Prunk erblüht,
Und reinste Treue, die im Meineid fällt,

Und goldne Ehre, die die Schande schmückt,
Und Mädchenunschuld roh dahingeschlachtet,
Und Kraft durch schwache Leitung unterdrückt,
Und echte Hoheit ungerecht verachtet,

Und Kunst geknebelt durch die Übermacht,
Und Unsinn herrschend auf der Weisheit Thron,
Und Einfalt als Einfältigkeit verlacht,
Und Knecht das Gute in des Bösen Fron,

Ja lebensmüd entging' ich gern der Pein,
Ließ den Geliebten nicht mein Tod allein.

 

 

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/shakespr/sonett/0sonette.htm

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