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Fliegen wie ein Vogel - Teil 3

Otto Lilienthal

Autor: Dr. Bernd Lukasch - Otto-Lilienthal-Museum 

Abb Auf den ersten Blick war auch Lilienthal (1848 - 1896) noch Vogelmensch, Vertreter des „Ikaridentraumes“, der mit den künstlichen, an seinen Armen befestigten Flügeln im Gegensatz zu seinen Vorgängern jedoch durch zahlreiche Fotografien belegbar erfolgreich war.

Aber nicht nur das gesicherte Wissen über seinen Erfolg unterscheidet ihn von seinen Vorgängern:
Bei genauerem Hinsehen ist Lilienthals vogelähnliches Fluggerät nicht ein neuer, diesmal erfolgreicher Versuch in der langen Geschichte der Versuche, den Vogelflug zu kopieren, sondern das Studium des Vogelflugs war bei ihm experimenteller Ausgangspunkt für ein Forschungsprogramm, an dessen Ende der manntragende Flugapparat stand.


Abb Auf der Grundlage von Naturbeobachtungen überführte er die Untersuchung des Vogelflugs ins Laborexperiment, um seine Erkenntnisse im Rahmen einer in weiten Zügen bis heute gültigen physikalischen Form auf die Erfordernisse des Menschenfluges zu übertragen.

Lilienthals Interesse an den physikalischen Grundlagen des Fluges war ein Klares: Er wollte fliegen.

Er erkannte schnell und richtig, dass der Erkenntnisstand seiner Zeit auf diesem Gebiet völlig unzureichend für dieses Ziel war.

 

Abb Das führte ihn dazu, sein Interesse Jahrzehnte zurückzustellen, und sich einem umfangreichen aerodynamischen Messprogramm zu widmen.

Nach über 20 Jahren physikalischer Experimente ohne jeden praktischen Flugversuch fasste Lilienthal seine Erkenntnisse 1889 in dem Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst" zusammen.

Lilienthal beschreibt die Flugtechnik als Tummelplatz für Laien, „Gefühlsmechaniker" und nur wenige Fachleute. Sein Buch wendet sich an alle.

Es ist ein populäres Physikbuch und führt in klarer Gedankenführung bis zum von Lilienthal selbst geschaffenen aktuellen Stand. Aber auch der Vogelflugforschung gilt es heute als Standardwerk.

Ohne Übergang und Bruch gleitet der Text hinüber in ein langes Gedicht, eine Botschaft des Storches an den Menschen, deren Zeilen Vorlage für Denkmalsinschriften an verschiedenen Orten waren.

Neben einem Aquarell kreisender Störche ist das Buch mit 80 Holzschnitten Lilienthals illustriert. Unter der Überschrift „Grundprinzip des freien Fluges" führt Lilienthal in populärer aber absolut exakter Weise in die Mechanik ein.

Mit der einprägsamen physikalischen Formel: „Alles Fliegen ist Erzeugen von Luftwiderstand, alle Flugarbeit ist Überwinden von Luftwiderstand" hat Lilienthal das Problem des Tragflügels vollständig charakterisiert.

Lilienthal hat aus der sogenannten „Physik der tropfbaren und luftförmigen Medien" die spezielle flugtechnische Fragestellung herauskristallisiert und ist damit der Urheber der experimentellen Tragflügel-Aerodynamik.

Abb Die Erkenntnis der notwendigen Flügelwölbung wird oft als seine zentrale Leistung bezeichnet.

Richtig ist, dass er als erster in völliger Klarheit die physikalische Frage nach dem Wesen des künstlichen Flügels gestellt hat, auf die die gewölbte Fläche die Antwort ist.

Als 1895 in der Berliner Akademie die Gedächtnisrede auf den Nestor der Berliner Physik, Hermann Helmholtz, gehalten wird, finden Lilienthals Messungen mit Bezug auf eine theoretische Helmholtz-Arbeit in dieser Gedenkrede Erwähnung.

„Diese Versuche", so schreibt Lilienthal im Vorwort seines Buches, „über einen Zeitraum von 23 Jahren sich erstreckend, konnten jetzt zu einem gewissen Abschluss gebracht werden, indem durch die Aneinanderreihung der Ergebnisse ein geschlossener Gedankengang sich herstellen ließ..."

Das Buch endet mit „Grundsätzen nach denen die künstlichen Flugapparate hergestellt werden sollten, wenn die hier dargelegten Erkenntnisse denn richtige sind."

Lilienthal vereinigte in ganz besonderer Weise theoretische, technische, handwerkliche und sportliche Fähigkeiten, die ihn befähigten, zum ersten Flieger der Menschheit zu werden.

Er schuf das theoretische Rüstzeug für den Menschenflug, konstruierte daraus das geeignete Fluggerät und verwirklichte es, weitgehend selbständig.



Er besaß die körperliche Konstitution, Mut und Geschicklichkeit, um dieses von ihm geschaffene Fluggerät auch selbst zu erproben, um gewissermaßen als Konstrukteur auch Versuchspilot zu sein, und die Konstruktion des Flugzeugs während der praktischen Erprobung zu vervollkommnen.

Die Vielseitigkeit in Lilienthals Tätigkeit, die Breite seiner Interessen und sein fachübergreifendes Herangehen waren sicher wesentliche Gründe für seinen Erfolg.

Als Missionar des Menschenflugs haben die Gebrüder Wright Lilienthal später bezeichnet.

Er war in Vorträgen so mitreißend und überzeugend, dass er seine Zuhörer immer in seinen Bann zog.

Lilienthal ist exklusiver Fachmann auf dem Gebiet der Flugtechnik seiner Zeit. Die Liste seiner Veröffentlichungen ist lang, zahlreiche wurden übersetzt.

Lilienthal gehört der technischen Kommission des Vereins zur Förderung der Luftschifffahrt an, war Jahre Mitglied der Aeronautical Society of Great Britain. Er schrieb zahlreiche Rezensionen zu flugtechnischen Veröffentlichungen, führte eine umfangreiche Korrespondenz mit Flugtechnikern in aller Welt.

Aufbauend auf Lilienthals Erkenntnissen begannen die Gebrüder Wright nach dem Tod Lilienthals in den USA ein eigenes Forschungsprogramm, welches deutlich über Lilienthals Arbeiten hinausging, und vom Hängegleiter zum Konzept unseres heutigen Flugzeugs führte.

 

Quelle:
Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von: Otto-Lilienthal-Museum
Autor: Dr. Bernd Lukasch
www.lilienthal-museum.de
Ellbogenstr. 1
D-17389 Anklam / Germany
Tel.: 03971-245500
Abbildungen und Fotos: www.lilienthal-museum.de

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